Belgien Contergan-Opfer fordern 65 Millionen Euro Schadensersatz

Sie fordern einen Ausgleich für ihre Leiden: In Belgien haben 13 Opfer des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid den Staat auf Schadensersatz verklagt. Einem Zeitungsbericht zufolge verlangen sie jeweils fünf Millionen Euro.

Brüssel - Vor einem Zivilgericht in Brüssel haben die Betroffenen Klage gegen den belgischen Staat eingereicht. Die Behörden hätten das Medikament zwischen 1957 und 1962 zugelassen, ohne "irgendwelche geeigneten Vorkehrungen zu treffen, um den Benutzer gegen eine solche Vergiftung zu schützen", heißt es in der Klage. Dies berichtete die belgische Zeitung "La Dernière Heure" am Mittwoch.

Die neun Frauen und vier Männer im Alter von 46 bis 51 Jahren fordern demnach als Ausgleich für ihre Leiden jeweils fünf Millionen Euro vom Staat - also insgesamt 65 Millionen Euro.

Im Februar 2010 hatte das belgische Gesundheitsministerium die Einrichtung eines Fonds für die Opfer angekündigt, der insgesamt mit fünf Millionen Euro dotiert sein sollte. Wegen des zwischenzeitlich erfolgten Rücktritts der Regierung kam es jedoch bislang nicht dazu.

Schlaf- und Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid des deutschen Unternehmens Grünenthal wurden in den fünfziger und sechziger Jahren in rund 50 Länder geliefert. In Deutschland unter dem Namen Contergan verkauft, firmierten sie in Belgien als Softenon. Weltweit wurden nach Einnahme des Medikaments bis zu 12.000 fehlgebildete Kinder geboren. Zu den Folgen zählten Deformationen von Armen und Beinen, Gehör- und Sichtfehler sowie Schädigungen innerer Organe.

siu/AFP
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