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Spektakulärer Diebstahl Italienische Bande verkaufte Kerosin aus Nato-Pipeline

Italiens Finanzpolizei ermittelt gegen 46 Verdächtige: Sie sollen Kerosin aus einer Nato-Leitung in Belgien geklaut und über Tankstellen an Autofahrer verkauft haben. Das Pipelinesystem ist im Verteidigungsfall wichtig.
Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel, Rheinland-Pfalz: Das Nato-Pipelinesystem verbindet Luftwaffenstützpunkte mit Speichern und Pumpstationen

Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel, Rheinland-Pfalz: Das Nato-Pipelinesystem verbindet Luftwaffenstützpunkte mit Speichern und Pumpstationen

Foto: Thomas Frey / dpa

Aus einem Pipelinesystem der Nato sind Ende des vergangenen Jahrzehnts große Mengen an Kerosin gestohlen worden, die dann über Tankstellen an unwissende Autofahrer verkauft wurden. Eine Sprecherin des Verteidigungsbündnisses bestätigte der Nachrichtenagentur dpa entsprechende Berichte italienischer Medien. Dort wurde bekannt, dass die Finanzpolizei in Rimini gegen 46 Verdächtige ermittelt und Vermögenswerte in Höhe von 37 Millionen Euro beschlagnahmt hat.

Demnach hatten Kriminelle für den Diebstahl in einem Feld in der Nähe der belgisch-französischen Grenze eine der Röhren des Leitungssystems angezapft. Italienischen Angaben  zufolge wurde das gestohlene Kerosin nach Italien gebracht und dort mit Diesel oder Öl vermischt und illegal an Autofahrer weiterverkauft. Ob Schäden an Fahrzeugen entstanden, war zunächst nicht bekannt. Die Operation lief unter dem Namen »Steal Oil«.

Die Tat sei im Juni 2019 entdeckt worden, hieß es. Es gehe um etwa 800.000 Liter Flugzeugtreibstoff, die gestohlen worden seien, italienische Medien geben die Menge sogar mit 900.000 Litern an.

Nato-Pipelines für den Verteidigungsfall

Besonders brisant ist der Fall, weil das angezapfte zentral-europäische Pipelinesystem (CEPS) ein wichtiger Teil des Nato-Verteidigungssystems ist. Es erstreckt sich über Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande und ist darauf ausgelegt, jederzeit den Bedarf des Bündnisses an Erdölerzeugnissen zu decken. Dafür verbindet es etwa Luftwaffenstützpunkte wie die im rheinland-pfälzischen Ramstein und Büchel mit Speicheranlagen, Pumpstationen und Einspeisepunkten.

Um die Betriebskosten so gering wie möglich zu halten und die Nutzung der Pipeline zu erhöhen, wird das System allerdings auch in großem Umfang für den Transport und die Lagerung von Kerosin für nicht militärische Kunden eingesetzt. So versorgt es nach Nato-Angaben auch die großen Zivilflughäfen in Brüssel, Frankfurt, Luxemburg, Amsterdam und Zürich.

Drei Unternehmer, mehrere Dutzend Mittelsmänner

Verantwortlich für den Export von gestohlenem Treibstoff nach Italien soll nach Angaben der Finanzpolizei von Rimini eine kriminelle Vereinigung sein, die von drei Unternehmern angeführt wurde. Ob sie direkt der Mafia zuzuordnen sind, ist derzeit noch unklar.

Im Zuge der Ermittlungen konnten nach Angaben der Finanzpolizei neben den drei Unternehmern mehrere Dutzend Mittelsmänner aufgespürt werden. Sie waren am Kerosinverkauf in verschiedenen italienischen Regionen beteiligt. Im Laufe der Ermittlungen wurden zudem unter Anwendung von Anti-Mafia-Vorschriften Vermögenswerte in Höhe von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt. Auch ein Sattelschlepper mit 26.000 Litern Öl wurde beschlagnahmt. Die Finanzpolizei ermittelt zudem wegen Steuerhinterziehung und weiterer Delikte.

Die Sprecherin der zuständigen Nato-Agentur NSPA betonte, dass seit dem Diebstahl im Jahr 2019 kein weiterer Fall mehr bekannt geworden sei. Es gebe ein mehrschichtiges Sicherheitssystem, um das rund 5300 Kilometer lange CEPS-Netzwerk zu schützen, sagte sie. Die beteiligten Mitgliedstaaten täten alles dafür, um einen weiteren Diebstahl weitestmöglich auszuschließen.

mgo/dpa