Tod von 39 Migranten in Lkw Gericht in Belgien verurteilt Schleuser zu langer Haftstrafe

In einem Lastwagen nahe London wurden 2019 Dutzende tote Migranten entdeckt. Nun muss ein weiterer Schleuser in dem Fall eine lange Haftstrafe antreten. Er galt als »Chef der belgischen Zelle«.
39 Migranten kamen 2019 nahe London in einem Kühllaster ums Leben

39 Migranten kamen 2019 nahe London in einem Kühllaster ums Leben

Foto: BEN STANSALL / AFP

Mehr als zwei Jahre nach dem qualvollen Tod von 39 vietnamesischen Migranten in einem Kühllastwagen in Großbritannien hat ein belgisches Gericht einen Schleuser zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der 45-jährige Vietnamese habe eine führende Rolle in dem Fall gespielt, urteilte das Gericht in Brügge. Gegen den Mann wurde zudem eine Geldstrafe in Höhe von knapp einer Million Euro verhängt.

Die belgischen Ermittler bezeichneten den Mann als »Chef der belgischen Zelle«. Rund 15 der 39 Opfer sollen sich vor der Schleusung nach Großbritannien in zwei Brüsseler Wohnungen aufgehalten haben.

Vor dem Gericht in Brügge war bereits im Dezember gegen die insgesamt 23 Angeklagten in dem Fall verhandelt worden. Gegen die 22 Mitangeklagten des Vietnamesen hatte die Anklage Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren gefordert.

Opfer starben an Sauerstoffmangel und Überhitzung

Der Fall hatte im Oktober 2019 weltweit für Entsetzen gesorgt. In einem Industriegebiet östlich von London waren in einem Lastwagen die Leichen von 31 Männern und acht Frauen entdeckt worden. Laut Obduktionsbericht starben sie, eingesperrt in dem Container, an Sauerstoffmangel und Überhitzung.

Der Container stammte aus der belgischen Hafenstadt Zeebrugge. Die belgische Justiz hatte deshalb – genau wie die Verantwortlichen in Großbritannien und Vietnam – Ermittlungen aufgenommen. Im Zuge der Ermittlungen waren auch Verdächtige in Frankreich, Belgien und Deutschland festgenommen worden, die in den Menschenhandel verstrickt gewesen sein sollen.

In Großbritannien wurden in dem Fall im Januar sieben Männer zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 27 Jahren verurteilt. In Vietnam wurden im September 2020 gegen vier Männer Gefängnisstrafen zwischen zweieinhalb und siebeneinhalb Jahren verhängt, drei weitere kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Die Opfer stammten aus armen ländlichen Regionen in Vietnam, in denen viele in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Ausland ihr Leben riskieren.

bam/AFP