Missbrauchsfall Bergisch Gladbach Angeklagter räumt Vorwürfe weitgehend ein

Ein 27-Jähriger steht im Fall des Missbrauchsnetzwerks von Bergisch Gladbach vor Gericht, weil er vier Kinder missbraucht haben soll. Der Soldat beging nach einer Selbstanzeige mutmaßlich weitere Taten.
Ihm wird vielfacher Kindesmissbrauch vorgeworfen: Angeklagter im Landgericht Moers

Ihm wird vielfacher Kindesmissbrauch vorgeworfen: Angeklagter im Landgericht Moers

Foto: ROLAND WEIHRAUCH/ AFP

Im Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach hat im niederrheinischen Moers der Prozess gegen einen Soldaten begonnen. Der 27-Jährige räumte die Taten vor der auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Kleve weitgehend ein.

Er soll vier kleine Kinder in insgesamt 36 Fällen missbraucht haben. Mehrmals soll er die Taten zusammen mit einem Chat-Partner begangen haben, der in einem anderen Verfahren angeklagt ist. Der Mann sei für die Allgemeinheit gefährlich, stellte die Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung fest. Seine Opfer waren nach Angaben von Gericht und Staatsanwaltschaft bei den Taten zwischen zwei und fünf Jahre alt.

Stiefsohn vertraute sich der Mutter an

Drei der missbrauchten Kinder sind dem Gericht zufolge Nebenkläger in dem Verfahren. Der Angeklagte schilderte vor Gericht den ersten Übergriff auf seine gerade einmal zwei Jahre alte Tochter am Wickeltisch. Laut seiner Schilderung wurde er immer wieder übergriffig, wenn seine Frau nicht zu Hause war. Die Missbrauchsfälle wurden demnach mit der Zeit schwerer. Irgendwann habe sein Chat-Partner geschrieben, er hätte gern einen Jungen dabei. "Wir wollten uns regelmäßig treffen und mehr machen", sagte der 27-Jährige. So sei auch der damals etwa fünfjährige Stiefsohn des Angeklagten zum Opfer geworden.

Schließlich habe der Stiefsohn der Mutter beim Duschen von einem Übergriff erzählt. Der Mann zeigte sich dann selbst an und musste ausziehen, verhaftet wurde er jedoch erst im Oktober. Nachdem seine Kinder nicht mehr greifbar für ihn gewesen seien, habe er seine Nichte zu einem Treffen mit dem Chat-Partner nehmen wollen. In einem unbeobachteten Moment habe er getestet, wie weit er bei dem Mädchen gehen könne, so der Angeklagte.

Immer wieder soll der Mann Bilder und Videos von den Taten gemacht haben, die er seiner Chat-Gruppe schickte. Nach der Vernehmung bei der Polizei waren alle seine Bilder auf dem Handy gelöscht. Sein Chat-Partner bot ihm neue an. "Ich konnte nicht Nein sagen", sagte der 27-Jährige. Vor einem geplanten Treffen wurde er festgenommen.

Bundesweite Ermittlungen

Ende April hatte ein erster Prozess in Mönchengladbach begonnen. Zwei 39 Jahre alte Männer sind dort unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 79 Fällen angeklagt. Zwischen 2015 und 2019 sollen die beiden Deutschen aus Krefeld und Viersen am Niederrhein immer wieder zwei Mädchen vergewaltigt haben.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft am Landgericht Kleve Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben. Der 61-Jährige lebte nach Angaben des Gerichts zuletzt in Xanten. Ihm wird zum Teil schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in zehn Fällen vorgeworfen, darunter die eigene Tochter.

Die Ermittlungen in dem Missbrauchskomplex , der durch einen Fall in Bergisch Gladbach ins Rollen kam, erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.

bbr/dpa
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