Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach Polizei befürchtet weitere aktive Täter

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach wurden sechs Männer festgenommen und neun Opfer identifiziert. Doch die Polizei befürchtet, dass weitere Täter immer noch aktiv sind.

Federico Gambarini/ DPA

In dem Fall von Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach befürchten die Ermittler, dass weitere Täter nach wie vor aktiv sind. Die Polizei arbeite mit Hochdruck an der Auswertung der sichergestellten Daten, "um schnellstmöglich noch andauernden Kindesmissbrauch zu unterbinden" und die Ermittlungen voranzutreiben, teilte die Kölner Polizei mit.

Die Dimension des Falls ist demnach noch nicht abzuschätzen. Es sei aber zu erwarten, dass die Ermittlungen sich auf andere Bundesländer und möglicherweise bis ins Ausland ausweiten. Deshalb sollen das Bundeskriminalamt (BKA) und alle Landeskriminalämter (LKA) in Telefonkonferenzen auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Polizeipräsident Uwe Jacob hatte am Mittwoch gesagt, dass es wahrscheinlich weitere Opfer und Täter gebe. Die bisher sechs Festgenommenen aus verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen und Hessen hätten in Chat-Gruppen, teils mit 1800 Mitgliedern, kinderpornografische Aufnahmen ausgetauscht.

Am Donnerstag hatte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem SPIEGEL gesagt, dass es "sehr deutliche Hinweise" darauf gebe, "dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben".

153 Beamte im Einsatz

Ausgangspunkt für die umfangreichen Ermittlungen waren große Datenmengen mit kinderpornografischem Inhalt, die Ende Oktober bei der Durchsuchung einer Wohnung in Bergisch Gladbach gefunden wurden. Die Bilder auf dem Smartphone des Familienvaters zeigen laut Polizei schweren sexuellen Missbrauch. Durch Auswertung seines Handys kamen die Ermittler weiteren Verdächtigen auf die Spur.

In den vergangenen Tagen nahm der Fall immer größere Dimensionen an. Inzwischen hätten 153 Beamte unter Einsatzführung des Polizeipräsidiums Köln sechs namentlich feststehende Tatverdächtige und neun Opfer ermittelt, berichtete Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag. Die Opfer, die von ihren eigenen Vätern oder Stiefvätern missbraucht worden sein sollen, seien zwischen einem und zehn Jahren alt.

Die mittlerweile sichergestellten riesigen Datenmengen werden nun zentral im Düsseldorfer LKA eingelesen. Eine spezielle Software prüft sie auf strafbaren Inhalt und gleicht etwa Bilder miteinander ab, wie ein Sprecher des Innenministeriums erläuterte. Die vorsortierten Daten würden dann den ermittelnden Polizeibehörden zur Verfügung gestellt.

Die Sichtung der Fotos und Videos sei auch für die Ermittler psychisch sehr belastend. Deshalb hat die Kölner Polizei eine spezielle Betreuungsstelle für sie eingerichtet.

Auf einen der mutmaßlichen Täter aus dem Großraum Wesel soll es nach einem Bericht des "General-Anzeigers Bonn" schon vor einigen Monaten Hinweise gegeben haben. Entsprechende Akten habe die Polizei der Staatsanwaltschaft Kleve bereits am 10. Juni übergeben, festgenommen wurde der Soldat aber erst am 25. Oktober. Eine Hausdurchsuchung habe es in der Zwischenzeit bei dem Verdächtigen nicht gegeben. Die Staatsanwaltschaft Kleve wollte sich dazu nicht äußern.

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bbr/sen/dpa

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