Prostitution Anklage gegen Betreiber des Berliner Bordells "Artemis"

Es geht um den Verdacht der Steuerhinterziehung: Die Betreiber des Berliner Großbordells Artemis sollen nach SPIEGEL-Informationen angeklagt werden. Vom Vorwurf der Zuhälterei ist indes keine Rede mehr.
Bordell "Artemis"

Bordell "Artemis"

Foto: Paul Zinken/ picture alliance / dpa

Die Ermittlungen gegen die Betreiber des größten Bordells Berlins stehen kurz vor dem Abschluss. Demnächst will die Berliner Staatsanwaltschaft nach Informationen des SPIEGEL gegen die Verantwortlichen des Saunaklubs Artemis, Hakki und Kenan S., Anklage erheben. Die Vorwürfe umfassen Steuerhinterziehung in rund 80 Fällen und vorenthaltene Sozialversicherungsbeiträge in über hundert Fällen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Artemis-Betreiber wegen des Verdachts der Ausbeutung von Prostituierten, Zuhälterei und Beihilfe zum Menschenhandel. Diese Tatvorwürfe waren im Frühjahr 2016 Anlass für eine der spektakulärsten Razzien im Berliner Rotlichtmilieu. 531 Beamte waren bei der Durchsuchung des Artemis im Einsatz, sogar der damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) war vor Ort (SPIEGEL 35/2016).

Einsatzkräfte bei Großrazzia am Artemis (Foto vom April 2016)

Einsatzkräfte bei Großrazzia am Artemis (Foto vom April 2016)

Foto: Paul Zinken/ dpa

Die Ermittler sprachen von einem Schlag gegen Zwangsprostitution und organisierte Kriminalität. Ein Staatsanwalt verglich die Arbeitsbedingungen der Prostituierten mit jenen von "Sklaven auf Baumwollfeldern", ein Kollege rühmte sich, Verbrecher vom Schlage eines Al Capone zur Strecke gebracht zu haben: "Sie sind nicht die, die sich die Hände schmutzig machen. Sie verwalten die Kriminalität und setzen sie um."

Doch schon das Landgericht Berlin sah bei der Prüfung des Haftbefehls gegen die Betreiber keinen dringenden Verdacht auf Zuhälterei, Ausbeutung und Menschenhandel. Nicht einmal den Vorwurf der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialabgaben in zweistelliger Millionenhöhe sahen die Richter solide untermauert.

Die Artemis-Betreiber hatten bereits vor der Eröffnung des Bordells im September 2005 sowohl dem Berliner Landeskriminalamt (LKA) als auch den Finanzbehörden ihr Geschäftsmodell offengelegt und es absegnen lassen. Immer wieder prüften LKA und Finanzfahnder den "FKK-Sauna-Klub" - offenbar ohne Beanstandungen. Wohl auch deswegen hat das Kammergericht Berlin am 29. Juli 2016 die Haftbefehle gegen die beiden Betreiber aufgehoben: Die "Fortdauer der Untersuchungshaft" sei "mangels dringenden Tatverdachts rechtswidrig".

Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich zum gegenwärtigen Verfahrensstand nicht äußern. Ein Anwalt der Beschuldigten sagte, es gebe keinen neuen Erkenntnisse, "die haltlosen Vorwürfe werden schlicht wiederholt".