Kunstdiebstahl aus Grünem Gewölbe Ermittler nehmen drei Mitglieder von Berliner Remmo-Clan fest

Großrazzia in Berlin-Neukölln: Spezialkräfte haben im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl von Dresden drei Tatverdächtige festgenommen. Nach SPIEGEL TV-Informationen gehören sie dem Remmo-Clan an.
Mehr als 1600 Polizisten sind an der Razzia beteiligt: 18 Objekte werden durchsucht

Mehr als 1600 Polizisten sind an der Razzia beteiligt: 18 Objekte werden durchsucht

Foto:

CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shutterstock

Den Beschuldigten werden schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen: Im Zusammenhang mit dem Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe hat die Polizei in Berlin drei Tatverdächtige festgenommen. Diese sollen noch im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, wie die Staatsanwaltschaft Dresden mitteilte.

Die Festgenommenen gehören laut Polizei zum Berliner Clanmilieu. Nach Informationen von SPIEGEL TV gehören die Männer dem Remmo-Clan an. Diese in Verbindung zu einer arabischen Großfamilie stehende Organisation wird auch für andere große Straftaten verantwortlich gemacht. Im Februar waren Mitglieder des Clans wegen des spektakulären Diebstahls einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum verurteilt worden.

Unter den nun von der Polizei festgenommenen Mitgliedern ist nach SPIEGEL TV-Informationen auch Wissam Remmo, der wegen des Goldmünzen-Diebstahls eine viereinhalbjährige Haftstrafe erhielt. Zuvor hatte ihn bereits das Landgericht Erlangen wegen Diebstahls zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Bei den weiteren nun Festgenommenen handelt es sich nach SPIEGEL-TV-Informationen um Rabih Remmo und Bashir Remmo.

Schwer bewaffnete Polizisten sichern einen Hauseingang

Schwer bewaffnete Polizisten sichern einen Hauseingang

Foto: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shutterstock

Sollte Wissam Remmo auch am Einbruch in das Grüne Gewölbe beteiligt gewesen sein, so hätte er dies während der Zeit getan, in der der Prozess um die Goldmünze in Berlin bereits lief. Bislang hatte er die im September 2020 rechtskräftig gewordene  Haftstrafe wegen des Einbruchs in das Bode-Museum noch nicht angetreten.

Wenig Hoffnung auf Beute

Seit dem Morgen waren laut Polizei insgesamt 18 Objekte in der Hauptstadt durchsucht worden, darunter zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Den Behörden zufolge sind dabei knapp 1640 Polizeibeamte im Einsatz. Im Zentrum des Einsatzes unter Führung der Soko »Epaulette« steht laut der Polizei Sachsen unter anderem die Suche »nach möglichen Beweismitteln wie Speichermedien, Bekleidungsstücken und Werkzeugen«.

»Es ist auch unser Ziel, nach den entwendeten Juwelen zu suchen«, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Bislang wurden aber keine Kunstschätze gefunden. Laut Polizei gibt es trotz der Festnahmen auch nur wenig Hoffnung, dass die gestohlenen Objekte wieder nach Dresden zurückkehren. »Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde«, sagte der Sprecher der Dresdner Polizei, Thomas Geithner - und fügte hinzu: »Die Hoffnung stirbt zuletzt.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bei einem der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte hatten Unbekannte im November 2019 in Dresden aus der berühmten Schatzkammer Grünes Gewölbe Kunstschätze von kaum messbarem Wert gestohlen. Binnen Minuten stahlen sie aus einer Ausstellungsvitrine historischen Juwelenschmuck. Anschließend flohen sie mit einem Auto, das sie später in Brand setzten. Lesen Sie hier eine Rekonstruktion des Juwelendiebstahls: Eine Axt und acht Minuten .

Innensenator: "Signal an die Szene"

Der Schwerpunkt der Durchsuchungen am Dienstag habe auf dem Stadtteil Berlin-Neukölln gelegen. Aufgrund des Polizeieinsatzes ist demnach den ganzen Tag mit erheblichen Verkehrseinschränkungen im gesamten Stadtgebiet von Berlin zu rechnen. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Ermittler immer wieder Spuren in die Hauptstadt verfolgt und mehrere Objekte durchsucht.

Berlins Innensenator Andreas Geisel sprach laut einer Mitteilung  von einem großen Erfolg bei der Aufklärung des »Kunstraubs«. Die Durchsuchungen und Festnahmen belohnten die Arbeit der Ermittler in Berlin und Sachsen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Es sei zugleich »ein weiteres Signal in die Szene«, so der SPD-Politiker. »Niemand sollte glauben, er könne sich über diesen Staat und seine Regeln hinwegsetzen. Der Rechtsstaat ist das Maß der Dinge.«

Polizisten auf dem Balkon einer Wohnung: Großer Schlag der Soko "Epaulette"

Polizisten auf dem Balkon einer Wohnung: Großer Schlag der Soko "Epaulette"

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Neben Einsatzkräften aus Sachsen waren an der aktuellen Razzia laut Polizei auch Spezialeinsatzkräfte des Bundes und mehrerer Länder beteiligt. Polizisten aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-WestfalenSachsen-Anhalt und Thüringen unterstützten die Beamten aus Sachsen.

apr/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.