Ermittleraussage zu Münzenraub Die Spur des Goldes

Vier junge Männer sollen die 100-Kilogramm-Goldmünze "Big Maple Leaf" aus einem Berliner Museum gestohlen haben. Ein Ermittler hat nun im Prozess berichtet, welche Indizien zu den Angeklagten führen.

Angeklagte mit Anwälten im Berliner Landgericht (Foto vom 10. Januar)
AFP

Angeklagte mit Anwälten im Berliner Landgericht (Foto vom 10. Januar)

Von Wiebke Ramm


Was Kriminaloberkommissar André B. mit seinen Kollegen über den Diebstahl der 100-Kilogramm-Goldmünze "Big Maple Leaf" herausgefunden hat, fügt sich für ihn zu einem eindeutigen Bild: Ahmed Remmo, 20, Wayci Remmo, 24, und Wissam Remmo, 22, haben mithilfe von Denis W., 20, in der Nacht zum 27. März 2017 das Ausstellungsstück im Wert von etwa 3,75 Millionen Euro aus dem Bode-Museum in Berlin gestohlen.

Vor dem Landgericht Berlin hat der 44-jährige leitende Ermittler nun berichtet, wie die Polizei auf die Spur der drei Mitglieder der polizeibekannten Remmo-Großfamilie und des Museumswärters Denis W. kam.

Der Hinweis eines Kollegen brachte die Ermittler auf Denis W. Den jungen Mann hatte der Polizist ebenso wie einen Komplizen wenige Wochen vor dem Münz-Diebstahl nach einem Tankbetrug festgenommen. Ihr Auto hatten die beiden zuvor mit gestohlenen Kennzeichen präpariert. Im Auto lagen Schraubenzieher und Nylonhandschuhe - "typisches Einbruchswerkzeug", sagt André B. im Zeugenstand. Na ja, relativiert Richterin Dorothee Prüfer, vielleicht diente es einfach zum Abschrauben der Autokennzeichen.

Der Ermittler berichtet weiter, dass während der Festnahme mehrere Anrufe auf dem Handy von Denis W. eingegangen seien - und zwar von Ahmed Remmo. Ein Familienname, der die Polizisten aufhorchen ließ. Im Auto von Denis W. lag auch ein Flyer des Bode-Museums.

"Am Telefon wurde nicht konkret darüber gesprochen"

Die Ermittlungen ergaben laut André B., dass Denis W. seit Anfang März 2017 als Wachmann im Museum arbeitete. Er hatte einen Spind im Umkleideraum des Museums, durch dessen Fenster die Diebe ein- und ausgestiegen waren. Denis W. soll sich am Tag vor der Tat allein in dem Raum aufgehalten haben. Angeblich, um dort seine Pause zu verbringen. Aus Sicht der Ermittler hat er in dieser Zeit womöglich die Tat vorbereitet.

Gleich mehrere V-Männer sollen Hinweise gegeben haben, dass verschiedene Mitglieder der Familie Remmo mit dem spektakulären Münz-Diebstahl zu tun haben könnten. Eine Person aus der Familie soll nach der Tat für etwa 40.000 Euro ein Auto gekauft haben. Wissam und Wayci Remmo sollen angeblich versucht haben, verschiedenen Händlern Gold zu verkaufen.

Eine von weltweit fünf "Big Maple Leaf"-Münzen (Foto von 2010)
REUTERS

Eine von weltweit fünf "Big Maple Leaf"-Münzen (Foto von 2010)

Verteidiger Toralf Nöding spricht von lediglich "pauschalen" Hinweisen, Richterin Prüfer gibt ihm recht. Die anschließenden Durchsuchungen und Telefonüberwachungen seien ja auch entsprechend "sehr breit gestreut" gewesen, sagt sie. Etliche Mitglieder der Familie Remmo wurden belauscht.

Die Telefonüberwachungen hätten keinen Bezug zum Münz-Diebstahl ergeben. "Am Telefon wurde nicht konkret darüber gesprochen", sagt André B. vor Gericht. Überhaupt sei wenig telefoniert worden. Er vermutet, dass die Kommunikation über Messengerdienste lief. Im Juli 2017 durchsuchten die Polizisten etwa 30 Objekte, darunter Autos und Wohnungen. Sie fanden 150.000 Euro Bargeld und fünf scharfe Waffen.

Weitere Indizien sind Videos der Überwachungskameras vom S-Bahnhof Hackescher Markt, der in der Nähe des Bode-Museums liegt. Am 17. März sind nachts, als keine Bahn mehr fährt, zwei verdächtige Personen zu sehen, die in Richtung Museum verschwinden. Es ist die Nacht, als einem Gleisarbeiter eine Schubkarre auffällt. Mit der Schubkarre sollen die Täter später die 100-Kilo-Münze über die Gleise fortgeschafft haben. Am 21. März zeichnen die Kameras drei Männer auf. In jener Nacht geht eine Sicherheitsscheibe vor dem Fenster des Umkleideraums zu Bruch. Am 27. März, dem Tattag, sind wieder drei Verdächtige zu sehen.

Nach Maschinen gegoogelt, mit denen sich Gold einschmelzen lässt

Ermittler André B. sagt im Zeugenstand, er habe das Gefühl gehabt, einer der Männer könne Denis W. sein. Und eine Kollegin habe gemeint, sie erkenne Wissam und Ahmed Remmo. Eine Steppjacke, die Wissam Remmo gehöre, passe zu der Kleidung eines der Aufgezeichneten. In den Jackentaschen fanden sie Goldpartikel. "Und da schloss sich der Kreis", sagt André B.

Die Goldspuren sind das stärkste Indiz. Die Münze sei aus "besonderem Gold", sagt der Zeuge. Sie habe einen Reinheitsgrad von 99,999 Prozent. Derart reines Gold werde sonst nur in der Raumfahrtindustrie verwendet. Spuren in Wissam Remmos Jacke passten zur Goldmünze.

Auch ein Handy macht Wissam Remmo verdächtig. Die Ermittler fanden es neben einem Sofa, auf dem er für gewöhnlich schlief. Auf dem Handy war eine App zur Goldpreisberechnung installiert. Und der Handynutzer hatte nach Maschinen gegoogelt, mit denen sich Gold einschmelzen lässt.

Wissam Remmos Verteidiger Michael Martens macht den Zeugen indes auf einen anderen Fund auf dem Handy aufmerksam. Demnach war das Mobiltelefon zur Tatzeit gar nicht am Tatort eingeloggt, sondern an einem anderen, nicht genannten, Ort.

Das war auch dem Ermittler aufgefallen - allerdings erst einen Tag vor seiner Aussage vor Gericht. Möglicherweise entspreche die gespeicherte Zeitangabe nicht der tatsächlichen Uhrzeit, sagt er. Er werde das recherchieren und nachliefern. Die Richterin bittet darum.



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