Berlin Frauen ins Auto gezerrt und vergewaltigt – dreizehneinhalb Jahre Haft

Schwere Vergewaltigung, Geiselnahme, Freiheitsberaubung und Körperverletzung: Das Berliner Landgericht hat einen 33-Jährigen wegen brutaler Übergriffe auf Frauen zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt.
Eingang des Landgerichts Berlin (Archivbild)

Eingang des Landgerichts Berlin (Archivbild)

Foto: Taylan Gökalp/ dpa

Das Berliner Landgericht hat einen 33-jährigen Serienvergewaltiger zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Wisam B.B. wurde unter anderem der schweren Vergewaltigung, Geiselnahme, Freiheitsberaubung sowie Körperverletzung schuldig gesprochen.

Der Verurteilte habe innerhalb von zwei Jahren das Leben mehrerer Frauen zerstört, sagte die Vorsitzende Richterin Denise Wittkopf bei der Urteilsverkündung. Die Verhängung einer Sicherungsverwahrung bleibe vorbehalten.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass B.B. die ihm zur Last gelegten Vergewaltigungen zwischen März 2018 und Februar 2020 begangen hatte. Die Übergriffe seien »planvoll, besonders grausam und brutal abgelaufen«. Der 33-Jährige sei ein skrupelloser Täter, der seine Opfer zum Teil über Stunden gequält habe.

In zwei Fällen soll der Mann jeweils eine Frau auf der Straße in sein Auto gezerrt und mit Komplizen vergewaltigt haben. »Sie haben gezielt Jagd nach jungen Frauen gemacht«, sagte die Vorsitzende Richterin zu einer Tat im Februar 2020. Das Opfer dieses Übergriffs sei derart misshandelt worden, dass Lebensgefahr für die 21-Jährige bestanden habe.

In einem weiteren Fall etwa einen Monat zuvor sei eine damals 18-Jährige unvermittelt in ein Auto gezerrt, vergewaltigt, dann in eine Wohnung verschleppt und erneut sexuell misshandelt worden. Die Frauen hätten Todesängste durchlitten. Bei der Wohnung handelte es sich um die Anschrift des jüngeren Bruders des Angeklagten. Dieser war zuvor in einem getrennten Verfahren freigesprochen worden.

Der Angeklagte habe zudem in einer Wohnung in Berlin-Wedding in zwei Fällen junge Frauen vergewaltigt, hieß es weiter im Urteil. Sein jüngstes Opfer sei im März 2018 eine 14-jährige Schülerin gewesen, die mit seinem Halbbruder befreundet gewesen sei.

»Geschwiegen, geleugnet und gelogen«

Aus dem Handeln des Angeklagten spreche eine tiefe Verachtung für Frauen, so die Vorsitzende Richterin. Er habe einen »sadistischen Machtanspruch frei von jeglichem Mitgefühl« unter Beweis gestellt. Die Anordnung der Sicherungsverwahrung könne noch zu einem späteren Zeitpunkt verhängt werden, wenn durch weitere Beobachtung des Angeklagten im Strafvollzug eine sicherere Prognose möglich sei, ob er nach Haftverbüßung noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen werde.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Strafe von dreizehn Jahren und zehn Monaten Haft sowie die Verhängung von Sicherungsverwahrung plädiert. Der Verteidiger verlangte Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Verfahren sei für alle Beteiligten »eine Zumutung« gewesen, sagte Richterin Wittkopf abschließend. Der Verurteilte habe im Prozess »geschwiegen, geleugnet und gelogen« und so die Überlebenden gezwungen, die Taten vor Gericht erneut durchleben zu müssen.

»Unerträglich« seien aber auch die im Prozess ans Licht gekommenen Versäumnisse der Ermittlungsbehörden. »Wir mussten erkennen, dass Geld- und Personalmangel beim Landeskriminalamt die Aufklärung behindert haben«, sagte Wittkopf. Zumindest eine der Taten hätte womöglich verhindert werden können.

wit/AFP/dpa
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