Überfall auf Geldtransporter in Berlin Tatort Schillingstraße

Ein Überfall auf einen Geldtransporter, eine Verfolgungsjagd, Schüsse auf einen Streifenwagen: In Berlin spielten sich Wildwestszenen ab. Die Täter wechselten zwischendurch das Fluchtfahrzeug - und entkamen.

CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Von Uta Eisenhardt, Berlin


Es geschah mitten in Berlin. Gegen 7.30 Uhr stoppten mehrere maskierte Männer mit zwei Fahrzeugen einen Geldtransporter der WSN Sicherheit und Service GmbH. Der Ort war offenbar sorgfältig ausgewählt: Zwar befindet sich die Schillingstraße in direkter Nachbarschaft des Alexanderplatzes, das Einkaufszentrum "Alexa" kann man von hier schnell zu Fuß erreichen.

Doch hier gibt hier keine Kameras, lediglich der Parkplatz vor dem angrenzenden Supermarkt ist videoüberwacht. Ein guter Ort für einen Überfall. "Wie kann man mit einem Geldtransporter in so eine tote Straße fahren?", fragt der Inhaber des benachbarten "Mervan Bistro".

Laut Polizei bedrohten die Täter abwechselnd die Insassen des Geldtransporters mit Waffen, während sie die hinteren Türen des VW-Transporters aufbrachen und mehrere Kisten raubten.

Das Geld verluden sie in zwei Autos, einen Audi und einen Mercedes. Derweil erfuhr die Besatzung eines Streifenwagens von dem Überfall. Die Beamten, eigentlich auf dem Weg zu einem anderen Einsatz, befanden sich in der Nähe und nahmen die Verfolgung auf.

Fotostrecke

8  Bilder
Überfall auf Geldtransporter: Mitten in Berlin

Sie rasten den Tätern hinterher über eine Spreebrücke in Richtung des benachbarten Stadtbezirks Kreuzberg, durch die Neue Grünstraße. Eine Mitarbeiterin der Sandwich-Bar "Celebi Akpolat" stand dort gerade an der Kaffeemaschine. Sie wunderte sich über die rasenden Autos, dann vernahm sie einen Knall.

Die flüchtenden Räuber hatten auf die Front des Streifenwagens geschossen. Keiner der Beamten wurde verletzt. Nur ein Autofahrer, der gerade in die Neue Grünstraße einbiegen wollte und die Schüsse erlebte, versuchte panisch zu wenden. Dabei rammte er mit seinem Fahrzeug das Straßenschild, so berichtet es später die Mitarbeiterin der Sandwich-Bar.

Die Streifenwagen-Beamten gaben ihre Verfolgung auf, die beiden Fahrzeuge mit den Kriminellen fuhren weiter. Eines der beiden Autos, ein schwarzer R-Klasse-Mercedes, wurde auf der Flucht beschädigt. Aus seinem rechten Vorderreifen entwich die Luft. In der Kreuzberger Feilnerstraße, einer winzigen, idyllischen Spielstraße mit weinberankten Häuserfassaden, blieb es liegen. Die Räuber aus dem Mercedes stiegen in den Audi - das zweite Fluchtfahrzeug - um und entkamen.

"Ick wollt schon immer mal bei der Berliner Stadtreinigung arbeiten"

Nun ermittelt ein auf Geldtransporter-Überfälle spezialisiertes Fachkommissariat des Landeskriminalamtes, gemeinsam mit einer Mordkommission. Die Schüsse auf den Streifenwagen können als versuchter Mord gewertet werden.

Stundenlang sperrten Polizeibeamte die drei Tatorte ab: Die Schillingstraße, wo der Geldtransporter stand. Die Neue Grünstraße, wo die Schüsse fielen. Und die Feilnerstraße, wo das beschädigte Fluchtfahrzeug abgestellt wurde. Kriminaltechniker sicherten Spuren in und an den beteiligten Fahrzeugen. Um 12.45 Uhr wurde der aufgebrochene Geldtransporter abgeschleppt und für weitere Untersuchungen ins Landeskriminalamt gebracht, später folgte das beschossene Polizeifahrzeug.

Am frühen Nachmittag erhob sich im idyllischen Hof der Feilnerstraße eine Polizeidrohne in die Luft. In der angrenzenden Lindenstraße, auf der die Räuber ihre Flucht im verbliebenen Fahrzeug fortgesetzt hatten, war die Polizei mit zwei Suchtrupps unterwegs. Die Beamten schauten unter den abgestellten Autos nach Beweismitteln.

Video: Mitten in Berlin - Überfall auf Geldtransporter

REUTERS

Auch die Fahrbahnränder der Neuen Grünstraße wurden inspiziert: Hier kehrten die Kriminaltechniker sogar das Laub zusammen - auf der Suche nach den verschossenen Patronenhülsen. "Ick wollt schon immer mal bei der Berliner Stadtreinigung arbeiten", scherzte einer von ihnen, während er mit einem Bodenwischer-Set das Laub auseinander schob.

Die Absperrungen in der Schillingstraße wurden als erste entfernt, gleich nachdem der Geldtransporter abgeschleppt worden war. In der Neuen Grünstraße dauerte es bis zum Nachmittag, ehe die Flatterbänder gelöst wurden und die Anwohner ohne Begleitung eines Beamten zu ihren Wohnungen gehen durften.

Die Ermittler haben ein Hinweisforum eingerichtet, sagt Jörn Iffländer vom Social-Media-Team der Berliner Polizei. Es seien schon etliche Bilder eingeschickt worden.

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.