Stehplätze für den Drogenverkauf Berlin streitet über Dealer-Zonen im Görlitzer Park

Ein pragmatischer Ansatz - oder eine Kapitulation des Rechtsstaats? An einem berüchtigten Drogenumschlagplatz in Berlin sollen aufgemalte Linien Dealern ihren Platz zuweisen. Die Empörung ist groß.

Rosa Rand für Drogendealer: Umstrittene Markierung im "Görli"
Paul Zinken/DPA

Rosa Rand für Drogendealer: Umstrittene Markierung im "Görli"


Seit Jahren streitet Berlin über die offene Drogenszene im "Görli", dem Görlitzer Park im Stadtteil Kreuzberg. Nun hat ein neuer Vorstoß große Aufregung ausgelöst: Mit rosaroten Linien sollen künftig Stehplätze für Dealer markiert werden, um deren Aktivitäten zumindest räumlich zu begrenzen.

Die Stehplätze seien nicht mit dem zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg abgestimmt, teilte die Behörde mit. Der Verstoß des Parkmanagers sollte zunächst einmal gut bedacht und in den zuständigen Gremien diskutiert werden, hieß es.

Kritiker halten von der Idee des Parkmanagers wenig - so auch die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler. "Wenn das so stimmt, dann ist das eine Kapitulation des Rechtsstaates", sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Man dürfe den Dealern keinen "Freibrief zum Handel" erteilen.

Im Video: Die Dealer von Kreuzberg

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Das Vorhaben des Parkmanagers löste auch bei den Berliner Oppositionsparteien CDU und FDP Empörung aus. Die Zuweisung von Flächen sei eine Einladung zum Rechtsbruch, teilte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger mit. Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe bezeichnete die Vorgänge als Farce.

Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte zuvor dem RBB gesagt, Drogenverkauf könne immer nur verschoben werden. Man müsse mit den Realitäten umgehen.

Der Görlitzer Park zählt zu den größten Drogenumschlagplätzen Berlins, selbst Razzien änderten an der Situation kaum etwas. Der Verkauf von Rauschmitteln dort beschäftigt seit Jahren die lokale Politik und erregt immer wieder Aufsehen (lesen Sie hier mehr über das Thema). 2013 etwa plante das Bezirksamt, den illegalen Drogenhandel durch das Einrichten eines Coffeeshops im Park einzudämmen.

Im Video: Kampf gegen Drogen - Der Herr der Dealer

Deutsche Welle

mxw/dpa



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