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09. August 2019, 22:50 Uhr

Berlin-Wilmersdorf

Hunderte nehmen an Solidaritätsgebet für attackierten Rabbiner teil

In der Nähe einer Berliner Synagoge ist Rabbiner Yeduha Teichtal bespuckt und beschimpft worden. Nun sind Unterstützer zu einem Gebet zusammengekommen. Teichtal sagte: "Wir werden uns nicht verstecken."

In Berlin haben Hunderte Menschen Rabbiner Yehuda Teichtal ihre Unterstützung ausgesprochen, rund zwei Wochen nach einem antisemitischen Übergriff auf ihn. An einem Solidaritätsgebet in einer Synagoge in Berlin-Wilmersdorf nahm auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zusammen mit seiner Partnerin Natalia Wörner teil. Auch viele Christen, darunter der künftige evangelische Landesbischof Christian Stäblein, fanden sich zu dem Gebet ein.

Teichtal ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Am vorvergangenen Wochenende hatten zwei Männer den Geistlichen nach einem Gottesdienst auf Arabisch beschimpft und bespuckt. Eines seiner Kinder war bei dem Vorfall dabei. Die Ermittlungen beim polizeilichen Staatsschutz laufen.

"Wir werden uns nicht verstecken oder unsere Identität auf irgendeine Weise verbergen", sagte Teichtal anlässlich des Solidaritätsgebetes mit Blick auf wiederholte Übergriffe auf Juden in Berlin. "Ganz im Gegenteil, wir werden alles tun, um mit Respekt füreinander einzustehen und den Dialog untereinander zu fördern."

Maas: Antisemitismus in Deutschland lauter und aggressiver geworden

Die Mehrheit hierzulande sei tolerant. "Die meisten Menschen in Deutschland wollen diese Aggression gegen Juden als traurigen Bestandteil des jüdischen Alltags nicht hinnehmen."

Außenminister Maas sagte laut Redemanuskript: "Es ist abstoßend, widerlich und es macht wütend, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland beschimpft und bespuckt werden." Antisemitismus sei in Deutschland lauter und aggressiver geworden. "Umso beherzter müssen wir gegenhalten, wo immer es geht."

Vor drei Tagen waren auch in München ein Rabbiner und seine Söhne bespuckt und antisemitisch beleidigt worden. Ein bislang unbekannter Mann soll von der gegenüberliegenden Straßenseite "Scheiß Juden" gesagt haben.

Eine Frau soll die Beleidigung aus einem Auto heraus wiederholt und einen der Söhne bespuckt haben. Sie meldete sich bei der Polizei und dementierte die Vorwürfe. Gegen die Frau und den unbekannten Mann wird wegen Volksverhetzung und Beleidigung ermittelt.

kko/dpa

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