Berlin Junger Amokläufer sticht Passanten nieder
Berlin - Der junge Mann habe gegen 23.30 Uhr bei einem regelrechten "Rundlauf" zwischen Reichtstag und Luisenstraße wahllos auf die Passanten eingestochen, von denen viele gerade von der Einweihungsfeier des neuen Bahnhofs kamen, teilte ein Polizeisprecher mit. Unter den Menschen sei Panik ausgebrochen, "hier ist die Hölle los". Der Verdächtige, nach Polizeiangaben vermutlich stark alkoholisiert, wurde festgenommen.
Verletzt wurden 28 Männer und Frauen, sechs davon schwer. Kinder waren nicht unter den Opfern. In akuter Lebensgefahr schwebe niemand mehr, erklärte der Polizeisprecher am Morgen. 24 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, davon würden 15 stationär versorgt. Die Zahl der Verletzten könne schwanken, weil nicht ganz klar sei, ob sich alle bei der Polizei gemeldet hätten. "Wir nehmen den Fall sehr ernst, sind aber zufrieden, dass die Verletzten schnell versorgt werden konnten."
Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, das Areal wurde weiträumig abgesperrt. Elf Notarztwagen waren vor Ort. Meldungen, nach denen ein Mensch bei der Messerstecherei ums Leben gekommen sein soll, konnte die Polizei nicht bestätigen. Das Morddezernat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.
Vater des Teenagers bestürzt über die Tat
Der Teenager kommt aus dem Stadtteil Neukölln, er habe "keinen Migrationshintergrund", hieß es, sei aber bereits polizeilich mit einer Körperverletzung und mit Sachbeschädigung in Erscheinung getreten. Sein Motiv ist laut einem Polizeisprecher zunächst "völlig unklar". Ein rechtsradikaler Hintergrund sei aber auszuschließen. Er bleibe vorerst in Haft, hieß es.
Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigte sich bestürzt über den Amoklauf. "Das bedrückt", sagte er heute zu dem Zwischenfall. "Wenn man ein fröhliches Fest machen will, und dann passiert etwas Schlimmes, dann färbt das natürlich auch auf die Stimmung ab." Bei Veranstaltungen mit derart vielen Menschen seien Zwischenfälle leider nicht auszuschließen. Im Hauptbahnhof selbst habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben.
Der Vater des 16-Jährigen reagierte mit Betroffenheit und Erschütterung auf die Tat. Er sagte der "Berliner Morgenpost", dass er keine Erklärung für die Tat habe. Zu dem Umständen des Amoklaufs wisse er nichts, zur Polizei stehe er bisher nur in telefonischem Kontakt. Er bat in der Zeitung, er als Vater und der Rest der Familie sollten jetzt nicht in Sippenhaft genommen werden. Sie hätten mit der Tat nichts zu tun.
rüd/AFP/ddp/AP/dpa