Flüchtlingsunterkunft in Berlin Kein Krankenwagen für Hochschwangere - Ermittlungen gegen Sicherheitsdienst

In Berlin starb das ungeborene Kind einer Geflüchteten, nachdem der Sicherheitsdienst in der Sammelunterkunft offenbar keinen Krankenwagen gerufen hatte. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ins Krankenhaus gelangte das Ehepaar zu Fuß und mit der Bahn.
Bernd Friedel/ imago images

Ins Krankenhaus gelangte das Ehepaar zu Fuß und mit der Bahn.


Ein Wachmann in einem Berliner Flüchtlingsheim soll sich geweigert haben, einer schwangeren Frau einen Krankenwagen zu rufen. Die Frau klagte über starke Schmerzen und Blutungen, ihr Kind starb. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung aufgenommen, sagte ein Sprecher.

Bei dem Vorfall vor einigen Wochen habe der Wachmann weder einen Krankenwagen, noch ein Taxi rufen wollen. Es sei in Deutschland nicht üblich, Sonntagsnachts den Notdienst zu wählen - und bis zum nächsten Krankenhaus seien es nur wenige Hundert Meter, so argumentierte er angeblich. Der Flüchtlingsrat in Berlin hatte den Fall Anfang dieser Woche publik gemacht, die "taz" berichtete als erste darüber.

Das Ehepaar lebt erst seit zwei Monaten in Deutschland, beide sprechen kein Deutsch. Deshalb konnten sie nicht selbst den Notruf wählen. Sie gelangten schließlich zu Fuß und mit der Bahn in ein gut drei Kilometer entferntes Krankenhaus, wo die Frau einen toten Jungen zur Welt brachte.

Die Ärzte stellten fest: Die Frau litt an einer akuten Plazentainsuffizienz, dabei wird die Durchblutung der Nabelschnur oder Plazenta plötzlich unterbrochen. Es ist nicht sicher, ob das Kind bei einer schnelleren Behandlung überlebt hätte.

Das Flüchtlingsheim "Refugium Lichtenberg" wird von der "Awo Mitte" betrieben. Laut Betreiber soll es in der fraglichen Nacht "massive Verständigungsprobleme" zwischen den Beteiligten gegeben haben. Sicher sei aber: "Eine Dienstanweisung, in Notfällen einen Krankenwagen zu rufen, wurde nicht eingehalten", teilte der Betreiber mit.

Das Ehepaar soll traumatisiert sein. Es wurde inzwischen in eine andere Unterkunft verlegt.

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muk/dpa



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