Berlin Mord an Exil-Georgier - Polizei veröffentlicht Fotos

Es gibt Hinweise auf eine Verbindung zum russischen Militärgeheimdienst: Die Polizei bittet die Öffentlichkeit nach dem Mord an einem Mann in Berlin um Hinweise - dabei geht es auch um einen E-Tretroller.

Mit diesem Rad soll der Verdächtige geflohen sein
Polizei Berlin

Mit diesem Rad soll der Verdächtige geflohen sein


Im Fall des in Berlin ermordeten Georgiers Zelimkhan Khangoshvili sucht die Polizei nach Menschen, die den mutmaßlichen Täter kennen oder vor der Tat in Berlin gesehen haben. Dazu veröffentlichte sie ein Foto des Verdächtigen Vadim Sokolov.

Die Polizei zeigte auch Bilder eines Fahrrads und eines E-Tretrollers. Mit dem Rad soll der Verdächtige geflohen sein. Bevor er auf den in der Nähe bereitgestellten E-Tretroller umsteigen konnte, nahm die Polizei ihn fest.

Polizei Berlin

Wie Recherchen des SPIEGEL mit den Investigativnetzwerken Bellingcat und The Insider ergaben, gibt es Hinweise auf eine mögliche Beteiligung russischer Geheimdienste. Demnach reiste der Tatverdächtige vermutlich mit einer falschen Identität ein.

Laut seinen Visaangaben will der Mann mit dem Namen Vadim Andreevich Sokolov 49 Jahre alt und in Irkutsk, Sibirien, geboren worden sein. Er gab Sankt Petersburg als seinen Wohnsitz an.

Der Tatverdächtige
Polizei Berlin

Der Tatverdächtige

Im nationalen russischen Passregister ist jedoch niemand unter den angegebenen Personalien gemeldet. In ganz Russland findet sich weder in der Passdatenbank noch im Führerscheinregister ein Eintrag, der mit den gemachten Angaben - Name, Geburtsdatum, Geburtsort - übereinstimmt.

Passnummer führt zum Militärgeheimdienst

Die Reisepassnummer des Tatverdächtigen führt hingegen zu einer Einheit im Moskauer Innenministerium, die in der Vergangenheit bereits Dokumente für den Militärgeheimdienst GRU ausgestellt hat.

Darüber hinaus gab der Mann nach Recherchen von SPIEGEL, Bellingcat und The Insider in seinem Visumsantrag seine angebliche Adresse in Sankt Petersburg fehlerhaft und unvollständig an. Vadim Sokolov reiste über den Flughafen Charles de Gaulle in Paris nach Europa ein. In dem in seinem Visumsantrag angegebenen Pariser Hotel will ihn der Rezeptionist nie gesehen haben.

Der Georgier Zelimkhan Khangoshvili war am 23. August gegen 11.50 Uhr gerade auf dem Weg in die Moschee, als sich ihm im Kleinen Tiergarten von hinten ein Fahrradfahrer näherte. Ein Schuss streckte den Mann nieder, zwei Mal schoss der Täter ihm aus kurzer Distanz in den Kopf. Khangoshvili war sofort tot.

jpz/dpa



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