Berlin Polizei registriert mehr als hundert Angriffe auf Homosexuelle

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik spricht von einem Thema, "das wir sehr ernst nehmen": Straftaten gegen Schwule und Lesben - darunter 30 Gewaltdelikte.

Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik
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Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik


Mehr als hundert Straftaten gegen Schwule und Lesben hat die Berliner Polizei in den ersten neun Monaten dieses Jahres registriert. Darunter waren 30 Gewaltdelikte und 75 sonstige Taten wie Beleidigungen, berichtete Polizeipräsidentin Barbara Slowik bei einer Veranstaltung des Bündnisses gegen Homophobie sowie des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Es handele sich um ein Thema, "das wir sehr ernst nehmen".

Die Zahlen der ersten drei Quartale liegen zwar unter denen des Vorjahreszeitraums (139), sind aber laut Polizei nicht vergleichbar, weil noch nicht alle Taten in der Statistik enthalten sind. Trotz des Zwischenstandes gehe man nicht von einem Rückgang, sondern "leider von einem Anstieg" der Straftaten aus, sagte Slowik. Das könne an mehr Anzeigen liegen - oder tatsächlich mehr Taten. Klar sei, dass es in diesem Bereich eine hohe Dunkelziffer gibt.

Die meisten Taten geschahen den Zahlen der Polizei zufolge auf Straßen von Berliner Stadtteilen, in denen die Homosexuellen-Szene besonders sichtbar ist: Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Schöneberg. Die Verdächtigen sind demnach Deutsche und Ausländer - allerdings sei der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund höher als in der allgemeinen Bevölkerung.

LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert sprach ein weiteres Problem jenseits der Kriminalstatistik an: Zwangsehen von Frauen und Männern besonders in türkischen und arabischen Familien. Im vergangenen Jahr seien 38 Fälle von Männern bekannt geworden, die zwangsverheiratet wurden oder bei denen dies bevorstand. Mindestens bei 17 davon sei der Grund ihre Homosexualität gewesen.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sagte, selbst in Berlin sei ein Coming-out als Homosexueller "in streng religiösen Familien" immer noch nicht einfach möglich.

wit/dpa



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