Berlin Bei Geburt getöteter Zwilling - Frauenärzte zu Bewährungsstrafen verurteilt

Eine Ärztin und ein Arzt standen in Berlin vor Gericht, weil sie einen Zwilling mit einer schweren Hirnschädigung im Mutterleib töteten. Nun sind die beiden Mediziner schuldig gesprochen worden.

Das Kriminalgericht Moabit in Berlin: Urteil im Prozess um den Tod eines Zwillings
Jens Kalaene/ DPA

Das Kriminalgericht Moabit in Berlin: Urteil im Prozess um den Tod eines Zwillings


Vor dem Landgericht Berlin ist der Prozess im Fall eines bei der Geburt getöteten Zwillings mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Zwei angeklagte Frauenärzte sind wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags in einem minder schweren Fall zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Sie hatten den Zwilling, bei dem eine massive Hirnschädigung festgestellt worden war, noch im Mutterleib mit Kaliumchlorid getötet. Babett R., die die Operation geleitet hatte, ist nun zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Ihr damaliger Vorgesetzter Klaus V. bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Die Angeklagten hatten erklärt, sie seien davon ausgegangen, dass ihr damaliges Vorgehen bei einer Geburt per Kaiserschnitt rechtlich zulässig sei. Es wird damit gerechnet, dass der Fall vor den Bundesgerichtshof (BGH) geht.

Die Mutter der eineiigen Zwillinge war in der 32. Schwangerschaftswoche, als es im Juli 2010 zu Komplikationen kam. Laut Anklage hatten die beiden Ärzte die tödliche Dosis Kaliumchlorid während der Geburt injiziert. Zu diesem Zeitpunkt sei es jedoch rechtlich nicht mehr zulässig gewesen, da es sich nicht mehr um einen Fötus gehandelt habe.

Die Verteidiger argumentierten, ihre Mandanten seien von einer zulässigen Spätabtreibung ausgegangen. Sie hätten "den maximal sicheren Weg" für den gesunden Fötus gehen wollen. Eine medizinische Indikation für einen späten Abbruch habe vorgelegen. Die Eltern der Zwillinge hätten sich nach ausführlicher Beratung für einen sogenannten selektiven Fetozid im Mutterleib entschieden.

Vor Gericht landete der Fall, weil im Sommer 2013 drei anonyme Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingingen. Die Verfasser bezeichneten sich als Mitarbeiter.

bbr/dpa



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