Berlin Überfall auf Supermarkt - Wachmann erstochen

Bei einem Raubüberfall auf einen Supermarkt in Berlin ist ein Wachmann erstochen worden. Ein 22-Jähriger wurde unter dringendem Tatverdacht noch am Tatort von der Polizei festgenommen. Ein Richter erließ Haftbefehl.


Berlin - Nach ersten Ermittlungen der Polizei drang der Mann gegen 22 Uhr in die Filiale einer Supermarktkette im Bezirk Reinickendorf ein. Mit mehreren Waffen bedrohte der 22-Jährige den Filialleiter, einen Angestellten und den Wachmann. Die Lage eskalierte, als ein 20-jähriger Sicherheitsmann den Eindringling aufhalten wollte. Der 20-Jährige ging von mehreren Stichen getroffen zu Boden. Er wurde so schwer verletzt, dass er trotz notärztlicher Hilfe wenig später am Tatort starb.

Trauer um erstochenen Wachmann: Eine junge Frau legt Blumen nieder.
DPA

Trauer um erstochenen Wachmann: Eine junge Frau legt Blumen nieder.

Der 22-jährige Tatverdächtige erlitt bei dem Kampf ebenfalls Verletzungen am Oberkörper und wurde von der Polizei in einem Haftkrankenhaus untergebracht. Gegen den Mann erging heute Haftbefehl wegen Mordes und versuchten schweren Raubes mit Todesfolge.

Der 45 Jahre alte Filialleiter erlitt ebenfalls schwere Stichwunden, ein 24 Jahre alter Angestellter wurde leicht verletzt. Der Marktchef kam ins Krankenhaus. Er schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Bislang gebe es "keine konkreten Hinweise" auf einen Komplizen, teilte die Polizei mit. Die Erfahrung zeige jedoch, dass derartige Überfälle meist nicht von Einzeltätern begangen würden. Am Morgen nach dem Überfall hing an dem Supermarkt ein Schild: "Aus terminlichen Gründen geschlossen." Eine Kundin hatte diesen Hinweis überschrieben: "Aus menschlichen Gründen geschlossen."

Unter den Nachbarn herrschte tiefe Betroffenheit. Auf dem Platz vor dem Gebäude mit den geborstenen Fensterscheiben in Berlin-Reinickendorf zündeten Anwohner rote Kerzen und Grablichter an - Blumen wurden niedergelegt. Auf einem Schild hieß es: "Wir (…) trauern um den jungen Mann vom Sicherheitsdienst, der hier gestern brutal ums Leben kam."

Auch ein Bruder des Getöteten kam, wie andere Angehörige des Opfers, zum Tatort. "Mein Bruder wollte nur kurz Wachschützer bleiben, es war nur ein Übergangsjob, eigentlich wollte er eine Ausbildung machen", sagte er fassungslos.

Erst im Oktober war ebenfalls im Bezirk Reinickendorf ein Wachmann ums Leben gekommen. Der 53-Jährige war beim Überfall auf einen Geldtransporter erschossen worden.

cjp/AP/ddp/dpa



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