Berlin Mutmaßliche Mitglieder eines Pädophilen-Netzwerks vor Gericht

Zwei Männer müssen sich vor dem Berliner Landgericht verantworten. Jahrelang sollen sie Jungen aus armen Familien missbraucht und an Freier vermittelt haben. Es geht um mehr als 400 Fälle.

Angeklagte in Berlin (verdeckt)
DPA

Angeklagte in Berlin (verdeckt)


Die 51 und 53 Jahre alten Angeklagten sollen zum Kern eines Pädophilen-Netzwerks gehört haben. Ihre mutmaßlichen Komplizen, 78 und 80 Jahre alt, sind zu krank für einen Prozess. Um mehr als 400 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch geht es seit Freitag vor dem Berliner Landgericht.

13 Jungen sollen laut Anklage missbraucht worden sein. Das jüngste Opfer sei beim ersten sexuellen Übergriff sechs Jahre alt gewesen. Die Angeklagten nahmen den Angaben zufolge in der Zeit von 2002 bis Ende 2009 gezielt Kinder aus armen Familien ins Visier. Die prekären Verhältnisse der Geschädigten hätten die Männer ausgenutzt, indem sie die Jungen für "sexuelle Dienste" entlohnten oder sie an andere Freier vermittelten.

Als Hauptangeklagter gilt der 51-Jährige. Ihm werden nach jahrelangen Ermittlungen insgesamt 379 Fälle zur Last gelegt. Im April 2015 wurde er verhaftet. Nach acht Wochen wurde der Mann gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Flucht- oder Verdunklungsgefahr wurde nicht befürchtet.

Der 53-jährige Angeklagte, ein ehemaliger Polizist, war in einem anderen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs bereits zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er habe die Strafe verbüßt und eine Therapie gemacht, sagte seine Anwältin. Nun werden ihm 46 Taten zur Last gelegt.

Sieben der mutmaßlichen Opfer nehmen als Nebenkläger am Prozess teil. Sie hoffen auf Aussagen der Angeklagten - "weil es wichtig ist, dass die Geschädigten nicht noch einmal intensiv befragt werden", sagte ein Nebenklage-Anwalt. Am 7. Februar wird der Prozess fortgesetzt. Insgesamt sind 21 Verhandlungstage geplant.

wit/dpa



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