Kliniken in Besançon Narkosearzt soll mehr als 20 Patienten vergiftet haben

Sieben Patienten eines Anästhesisten in Frankreich erlitten einen Herzstillstand, zwei von ihnen starben - und es gibt 17 weitere Verdachtsfälle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil sie nicht mehr an einen Zufall glaubt.

Klinik in Besançon
Sebastien Bozon/ AFP

Klinik in Besançon


Hat Frankreich bald auch einen Fall Niels Högel? Ein 47-jähriger Arzt soll in zwei Kliniken in der ostfranzösischen Stadt Besançon mehr als 20 Patienten vergiftet haben. Bei den seit 2017 laufenden Ermittlungen gegen den Anästhesisten, ist die Polizei auf neue Verdachtsfälle gestoßen.

Der Mann hatte als Narkosearzt gearbeitet. Zwischen 2008 und 2017 hatten sieben seiner Patienten im Alter von 37 bis 53 Jahren bei Operationen einen Herzstillstand erlitten, zwei von ihnen waren gestorben.

Dem Arzt werfen die Ermittler nun insgesamt 24 mutmaßliche Vergiftungsfälle vor, wie sein Anwalt mitteilte. Neun der Patienten seien gestorben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurde der Arzt am Donnerstagabend einem Haftrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft.

Anästhetika oder Kalium in Infusionsbeutel gespritzt?

Diese Woche war der Anästhesist erneut festgenommen und von der Polizei zu 66 weiteren Verdachtsfällen befragt worden. In 17 Fällen habe sich der Verdacht bestätigt, sagte der Staatsanwalt Etienne Manteaux. Betroffen waren demnach Patienten im Alter von vier bis 80 Jahren, die wegen "harmloser" chirurgischer Eingriffe im OP waren. Die meisten von ihnen hätten während der Operation einen Herzstillstand erlitten. Manche hätten tagelang im Koma gelegen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Anästhesist die Patienten vergiftete, indem er ein Lokalanästhetikum oder Kalium in die Beutel mit dem Schmerzmittel Paracetamol oder für die Flüssigkeitszufuhr füllte. Bei einer Verurteilung muss er mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.

Der Anwalt wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Es bestehe zwar die Möglichkeit, dass der Arzt für die Todesfälle verantwortlich sei, sagte der Anwalt Jean-Yves Le Borgne. Es handle sich bisher aber nur um eine Hypothese. Bei den zweijährigen Ermittlungen sei "nichts" herausgekommen.

apr/AFP



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