Beschreibung sexuellen Missbrauchs Bundesgerichtshof kippt Strafmaß für Pädophilen

Ein Mann beschreibt den sexuellen Missbrauch eines Kindes in einer E-Mail. Das ist nicht strafbar, hat der Bundesgerichtshof entschieden. Weil der Mann die Nachricht nicht mit entsprechenden Bildern versah, kann er nun mit einer milderen Strafe rechnen.


Karlsruhe - Das Verbreiten kinderpornografischer Bilder oder Videos ist zwar strafbar - aber nicht die reine Beschreibung des Missbrauchs mit Worten. Das ergibt sich aus einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe.

Darin spricht das Gericht einen Pädophilen zum Teil frei, der den Missbrauch eines Dreijährigen in einer E-Mail nur beschrieben, nicht jedoch bebildert hatte. Der Täter kann jetzt mit einer milderen Strafe rechnen.

Der Mann hatte Hunderte kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos per Internet versandt. Darunter war auch die besagte E-Mail. Wegen dieser dürfe der Mann nicht bestraft werden, urteilte der BGH. Eine Verurteilung des Pädophilen wegen des Missbrauchs an sich habe das Gericht in dem Verfahren nicht geprüft, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Gesetzgeber habe nur das Verbreiten kinderpornografischer Bilder oder Videos unter Strafe stellen wollen, heißt es unter anderem in dem BGH-Beschluss. Denn Bildmaterial schaffe anders als reine Wortschilderungen einen starken Anreiz zur Nachahmung.

Nun muss das Landgericht Augsburg das Strafmaß neu festsetzen. Es hatte den Mann 2012 zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

(Az. 1 StR 8/13)

ulz/dpa



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