Lösegeld von Reemtsma-Entführung Erpresser von Hells Angels zu Bewährungsstrafe verurteilt

Er soll gewusst haben, wo die Reemtsma-Millionen geblieben sind. Und er soll die Hells Angels erpresst haben. Jetzt kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Sein Wissen behielt er für sich.
Angeklagtes Geschwisterpaar (Archivbild): Zu Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt

Angeklagtes Geschwisterpaar (Archivbild): Zu Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt

Foto: Marius Becker/ dpa

Aachen - Ein Erpresser ist im Zusammenhang mit dem verschwundenen Millionenlösegeld aus der Reemtsma-Entführung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Seine mitangeklagte Schwester kam wegen Beihilfe mit einer Geldstrafe davon. Der 62-jährige Hauptangeklagte habe führende Köpfe der mittlerweile verbotenen Frankfurter Rocker Hells Angels erpresst, stellte das Aachener Landgericht in seinem Urteil fest.

Der 62-Jährige soll angeblich gewusst haben, dass die Rocker Teile des Reemtsma-Lösegeldes gewaschen haben. Für sein Schweigen zahlten ihm die Hells Angels nach Angaben des Gerichts rund 30.000 Euro. In Telefonaten habe der Angeklagte immer wieder Geld gefordert, ansonsten würde er bei der Staatsanwaltschaft plaudern, so schildert es der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. Nach den Zahlungsaufforderungen des Aacheners, der in Brasilien lebte, hätten die Hells Angels immer zeitnah gezahlt.

Die Schwester des Hauptangeklagten soll das Geld dann an ihren Bruder, der damals in Brasilien lebte, überwiesen haben. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten vier Jahre Haft gefordert, die Verteidiger Freispruch. Strafmildernd wertete das Gericht das "erhebliche Teilgeständnis" in einer früheren Vernehmung, das Alter und die labile Gesundheit des Angeklagten.

Der Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma wurde im Frühjahr 1996 gekidnappt. Er kam erst Wochen später gegen die Zahlung eines Lösegelds von 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken frei. Bis heute fehlt von einem Großteil der Beute jede Spur.

jbe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.