Tod eines Babys Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klinik

Ein junger Arzt wurde verurteilt, weil er einem Baby versehentlich eine tödliche Spritze verabreicht hatte. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen das Bielefelder Krankenhaus, in dem der zehn Monate alte Junge starb.


Bielefeld - Der Tod eines Babys in Bielefeld beschäftigt die Justiz weiter: Nach der Verurteilung eines jungen Arztes ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen das Krankenhaus. Unmittelbar nach dem Urteil vom Mittwoch sei ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld eingeleitet worden, teilte die Behörde mit. Dabei solle geprüft werden, ob es ein Fehlverhalten gegeben habe.

Das Landgericht hatte den jungen Mediziner im Berufungsverfahren erneut der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen - weil er 2011 als Medizinstudent einem Baby ein Antibiotikum versehentlich nicht oral, sondern intravenös verabreicht hatte. Der zehn Monate alte, an Leukämie erkrankte Junge starb.

Es war das erste Mal in Deutschland, dass ein Mediziner für einen Fehler, der ihm in der Ausbildung unterlief, strafrechtlich verfolgt und belangt wurde. Zugleich stellte das Gericht aber fest, dass es offenbar Organisationsprobleme in der Klinik gegeben habe. So seien das Problem der Verwechslung von Spritzen damals schon bekannt und unverwechselbare Exemplare bereits auf dem Markt gewesen. Dennoch habe die Klinik diese Spritzen auf der Kinderkrebsstation erst am Tag nach dem Vorfall eingeführt.

Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Martin Driessen, hatte unmittelbar nach dem Urteil eingeräumt, dass das Unglück nicht geschehen wäre, wenn es diese Spritzen auf der Station damals schon gegeben hätte. Er sehe aber kein Organisationsversagen.

wit/dpa



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goomer 15.08.2013
1. Ein PJler ist KEIN Arzt!
Ein Arzt ist der Inhaber einer ärztlichen Approbationsurkunde! Ein PJ'ler ist ein Student im praktischen Jahr und kein Arzt!!! Daran ändert auch das Adjektiv 'jung' nichts. Jedoch liegt genau hier drin die Gretchenfrage: ohne es zu wissen hat SPON den Finger in die Wunde gelegt: Studenten sind keine Ärzte aber sie werden als billige Arbeitskraft missbraucht. Wäre der Student nicht dazu getrieben worden nahezu im Akkord Blut abzunehmen, venöse Zugange zu legen usw. sondern wäre ihm praktischer Unterricht zuteil geworden, dessen vorrangiges Ziel nicht ist das Tagesgeschäfft zu erfüllen, wäre es zu diesem Zwischenfall nicht gekommen! Der Zwischenfall spiegelt den Ablauf im Teaching so wieder wie er Tag täglich abläuft. Dem Studenten, wurde beim Blut abnehmen eine Spritze anbei gelegt... der Student hätte wissen müssen das er als Student keine Medikamente zumal unbekannte und unbeschrifftete geben darf... aber aus der Praxis heraus gesehen erscheint das vorgehen deutlich weniger schockierend wie es auf einige Leser wirken mag. Meiner Meinung nach trifft die Schwester eine mindestens genauso große Schuld. Da sie die erfahrenere Arbeitskraft ist. 1. das Medikament unbeschrifftet zu lassen ist fahrlässig! 2. unkommentiert, dieses Medikament in einer Spritze die auf die Anschlüsse von venösen Zugängen passt, zu dem Blutabnahmeset zu legen, ist meiner Meinung nach schon grob fahrlässig. Mein Mitgefühl gilt den Eltern und dem Studenten, denn diese müssen mit einer sehr schweren Last weiterleben.
fpwinter 15.08.2013
2. ich dachte immer...
... Bielefeld gäbe es gar nicht wirklich. Und da gibt es sogar eine Staatsanwaltschaft? Sachen gibts...
tolate 15.08.2013
3. Fehler haben Ursachen, und die reichen weit über die unmittelbar Beteiligten hinaus
So ganz allmählich kommen neben dem Verhalten der unmittelbar bei einem Behandlungsfehler Beteiligten, der, wie hier, schlimme Folgen haben kann, auch die weiteren Umstände in den Blick. Dafür wird es höchste Zeit, denn ein großer Teil an Fehlern lässt sich vermeiden, wenn die beginnende vorbeugende Suche nach möglichen Risiken aufgrund von Beinahe-Fehlern fortgesetzt wird, und dann auch noch die Mittel zur Verfügung stehen, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, hier war es die Anschaffung der nicht verwechselbaren Behältnisse für die unterschiedlich zu verabreichenden Medikamente. Ich bin sicher, dass bereits volkswirtschaftlich gesehen eine solche Mühe sich lohnt, was ja so langsam zur allein entscheidenden Größe in jedem Betrieb zu werden droht. Ganz abgesehen von dem Leid für die Betroffenen, und dazu zählen ganz oft neben den geschädigten Personen und ihren Angehörigen eben auch die Täter, deren Schuld oft in einem aufwendigen Verfahren festgestellt wird, das den entstandenen Schaden nicht mehr verringern kann. Einige wenige Gutachter beginnen, die Bedingungen unter denen Fehler vorgekommen sind, in den Blick zu nehmen, und das hat weit mehr Bedeutung, als eventuell vorhandene strafmildernde Umstände festzustellen.Es ist ein notendiger Bestandteil der Ermittlungen, wenn die Medizin sicherer werden soll. Erst wenn diejenigen, die für die Rahmenbedingungen verantwortlich sind, auch in den Bereich staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen kommen, entsteht jener heilsame Druck, der derzeit noch mit der Delegation von Verantwortung ohne die Mitgabe entsprechender materieller Mittel zu Lasten der Ausführenden reduziert werden kann. Derzeit geht es noch allzuoft nach dem Motto, da der Betreffende die Übernahme der Tätigkeit nicht abgelehnt hat, muss das Verhalten von Vorgesetzten und Verwaltung nicht betrachtet werden.
apop001 16.08.2013
4. an den goomer
Der Pflegekraft eine Mitschuld zu geben ist bizarr, denn laut SIEGEL sollte der PJler nur Blut abnehmen: Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhob später Anklage gegen W. Niemand habe den Studenten beauftragt, das Medikament zu verabreichen, lautete die Begründung. W. habe dem Baby lediglich Blut entnehmen sollen, sagten Ärzte und Pflegepersonal aus. Den Zeugen zufolge habe die Mutter ihrem Sohn das Antibiotikum einträufeln sollen. Und wenn es so war wiie Du schreibst, das die Spritze nicht beschriftet und ohne Kommentar von der Pflegekraft hingelegt worden ist und der PJler dann einfach unwissend irgendetwas was er nicht kennt venös appliziert ist meiner Meinung nach wirklich nicht die Pflegekraft an diese Katastrophe schuld. Es ist sehr fragwürdig warum das Klinikjm erst am Tag nach dem Zwischenfall die Spritzen welche nur auf Magensonden, PEG oder zur oraler Gabe passen eingeführt hat!
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