Bielefeld Serienbankräuber für Angriff im Gefängnis verurteilt

Auf die Freiheit wird er sehr lange warten müssen: Der Serienbankräuber Jan Zocha ist zu vier Jahren zusätzlicher Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Er hatte zwei Beamte im Gefängnis mit kochendem Wasser verbrüht.


Bielefeld - Neun Jahre plus Sicherungsverwahrung hatte der 42-jährige Schwerverbrecher ohnehin noch zu verbüßen - am Donnerstag verurteilte ihn das Landgericht Bielefeld zu vier Jahren zusätzlicher Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Damit dürfte er nach Rechnung der Vorsitzenden Richterin Jutta Albert bis zum Jahr 2032 im Gefängnis sitzen.

Im Februar 2008 bei seinem mittlerweile dritten Ausbruchsversuch hatte er zwei Justizvollzugsbeamten kochendes Wasser ins Gesicht geschüttet. Ein Opfer erlitt schwere Augenverletzungen, der andere Mann leidet noch immer an psychischen Folgen und ist dienstunfähig. Zudem hatte der als hochintelligent geltende Zocha Sprengsätze in seiner Zelle gebastelt.

Zocha wirkte gebrochen, als er zur Urteilsverkündung in den Saal gebracht wurde. Mehr als 16 Jahre in Haft haben ihn gezeichnet. Er schlurfte mit gesenktem Kopf, Gesicht und Augen fast ausdruckslos auf seinen Platz. Im Bielefelder Landgericht herrschte höchste Sicherheitsstufe.

"Herr Zocha bleibt ein Mensch, mit entsprechender Würde, ob es einigen gefällt oder nicht", schickte Richterin Albert vorweg. Sie betonte, dass Zocha immer noch die Chance zur Resozialisierung bleiben müsse. Die Kammer blieb mehr als zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Am Vorstrafenregister Zochas, dem 29 Banküberfälle nachgewiesen wurden, sei nichts zu beschönigen, sagte Albert. Auch gehöre "größte kriminelle Energie" dazu, hinter Gittern noch straffällig zu werden. Sie hielt Zocha, der wegen seines Auftretens auch "Gentleman-Gangster" genannt wird, aber sein Geständnis und seine Entschuldigung an die Opfer zugute.

Zocha sei außerdem ein Verbrecher, bei dem die häufig allzu leicht angeführte Erklärung über eine schwere Kindheit tatsächlich zu berücksichtigen sei. "Sie, der Sie so früh Ihre Eltern verloren haben, hatten wirklich ein schwere Kindheit", sagte die Richterin.

Am vorigen Prozesstag hatte Zocha geschildert, dass er bereits mit acht Jahren in einer Pflegefamilie leben musste, weil sein Vater seine Mutter erschossen hatte und anschließend sich selbst. Zocha nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an. "Mein Mandant fühlt sich fair und neutral behandelt", sagte sein Verteidiger.

jdl/dpa



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