Bruno H. Schuberts Nachlass Das bittere Erbe des Bierkönigs

Der Bierkönig Bruno H. Schubert liebte Frauen, Luxus, seine Millionen. Seit seinem Tod wird um das Erbe gestritten, dabei ist unklar, ob noch etwas übrig ist. Jetzt hat der Bundesgerichtshof bestätigt: Alleinerbin ist die 30 Jahre alte Witwe.

Witwe Meharit Schubert mit ihren Anwälten beim BGH
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Witwe Meharit Schubert mit ihren Anwälten beim BGH

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Bruno H. Schubert thronte am Kopf der königlich anmutenden Tafel aus Eichenholz, sein Hündchen auf dem Schoss, das polierte Familiensilber auf dem Tisch. Umgeben von Prominenz aus Politik und Gesellschaft, inmitten blutjunger Damen, Pomp und Glamour, Kunstschätzen und Kitsch. Was fehlte, war nur eine Krone auf dem dichten Haar des Multimillionärs. Seine Gäste in der Villa in Frankfurt am Main oder seiner Sommerresidenz bei Berchtesgaden huldigten dem früheren Eigentümer der Henninger Brauerei auch ohne festlichen Kopfschmuck als König, als Bierkönig von Frankfurt.

Seit Oktober 2010 ist Bruno H. Schubert tot, er starb acht Tage vor seinem 91. Geburtstag. Seither tobt zwischen seiner 30 Jahre alten Witwe Meharit Schubert und der von ihm gegründeten Umweltstiftung ein erbitterter Streit um Schuberts geschätztes Millionenvermögen.

Ursprünglich hatte Bruno H. Schubert gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau in einem Vertrag die Umweltstiftung als Erbin eingesetzt. Nach der Heirat hatte er sein Testament allerdings kurzfristig ändern lassen. Die Stiftung hält dies für unrechtmäßig und formal anfechtbar.

Nun hat der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) die Witwe als Alleinerbin bestätigt und damit die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen (Az: IV ZR 224/12). Schubert hatte seine zweite Frau handschriftlich bei seinem Notar als Alleinerbin bestimmt. Gleichzeitig erklärte er die Anfechtung des mit seiner ersten Ehefrau geschlossenen Erbvertrags, in dem die Stiftung begünstigt wurde. Allerdings sollte der Notar diese Mitteilung an das Nachlassgericht noch zurückhalten. Telefonisch gab Schubert dann dem Notar später grünes Licht, das Nachlassgericht über die Anfechtung des Erbvertrags zu informieren.

Die Stiftung meint, dies sei fehlerhaft durchgeführt worden. So hätte die Anweisung, dass die Anfechtung an das Nachlassgericht übermittelt werden soll, auch beurkundet werden müssen. Eine telefonische Mitteilung reiche hierfür nicht aus. Der BGH stellte nun klar, dass die gesonderte Anweisung zur Übermittlung an das Nachlassgericht nicht noch einmal notariell beurkundet werden musste. Dies gelte nur für die ursprüngliche Erklärung der Anfechtung des Erbvertrags selbst.

Bruno H. Schubert (im Jahr 2008): Kostspieliger Geschmack
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Bruno H. Schubert (im Jahr 2008): Kostspieliger Geschmack

Was gibt es überhaupt noch zu erben? Es heißt, von Schuberts Millionen sei nichts mehr da. Über den Nachlass wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Mehrere Gläubiger haben Forderungen in Millionenhöhe angemeldet, allein das Finanzamt soll auf 16 Millionen Euro Steuerschulden drängen. Gibt es, wie vermutet wird, einen Millionenschatz, versteckt im Ausland?

In dem Prozess vor dem BGH ging es nur formal um das Erbe und in erster Linie darum, wer die in drei Verfahren angefallenen Kosten des Verfahrens tragen muss. Sechsstellige Beträge sollen inzwischen auf dem Weg durch die Instanzen aufgelaufen sein. Noch könne er die Kosten nicht beziffern, sagte Claus Vester, Rechtsanwalt der Schubert-Stiftung. Die Kosten allerdings werde die Stiftung nicht Schuberts Witwe erstatten, sondern dem Finanzamt überweisen. Das unter anderem für Schenkungssteuer zuständige Finanzamt Fulda habe der Stiftung bereits eine Pfändungs- und Einziehungsverfügung zugestellt.

Schampus-Sausen mit Heinemann und Fürst Rainier

Enge Freunde von Bruno H. Schubert sind erleichtert, dass dem Bierkönig der Trubel um sein Erbe erspart geblieben ist. So gern er auch im Mittelpunkt stand, um Aufmerksamkeit gierte, mit seinem Geld regelrecht um sich warf.

Bei Schubert logierten Prinz Rainier von Monaco mit Fürstin Gracia und ihren drei Kindern, er bewirtete Ludwig Ehrhard, Franz Josef Strauß, Gustav Heinemann und Honoratioren der Stadt, er feierte mit Curd Jürgens und Harald Juhnke. Zu seinem Freundeskreis zählte er Hans-Dietrich Genscher und Franz Beckenbauer. Aber auch Rotlichtgrößen und Gestalten aus der Unterwelt sollen in seinen Gemächern Platz genommen, sich den Champagner literweise gegönnt haben.

Mit seiner Ehefrau Inge, genannt Ingelein, pflegte er eine offene Beziehung. Sie zeugte mit Schuberts Vater, also ihrem Schwiegervater, eine Tochter: Renate. Diese war für Schubert also Stieftochter und Halbschwester zugleich. Renate starb 1966 im Alter von 25 Jahren. Schubert selbst bekam 1947 einen unehelichen Sohn mit einer Geliebten: Hanns Peter Nerger, Vorsitzender der Schubert-Stiftung.

Ehepaar Schubert (im Jahr 2009): Was gibt es überhaupt zu erben?
picture alliance / Bernd Kammerer

Ehepaar Schubert (im Jahr 2009): Was gibt es überhaupt zu erben?

Vor allem Inge Schuberts Toleranz muss für den Familienfrieden notwendig gewesen sein, denn Schuberts amouröse Abenteuer waren kostspielig und Teil seiner gesellschaftlichen Events: Angeblich kümmerte sich ein persönlicher Mitarbeiter um Schuberts Vorliebe für schöne, junge Frauen, die er im Frankfurter Nachtleben suchte und dem Multimillionär zuführte. Eine von ihnen, eine Russin, soll er mit Geschenken und Geld im Wert von insgesamt zehn Millionen Euro überschüttet haben.

Im Juli 2009 heiratete Schubert heimlich die 62 Jahre jüngere Meharit, eine Frau aus Äthiopien, die in Belgien aufwuchs und einen vierjährigen Sohn mit in die Ehe brachte. Nur 15 Monate später war sie Witwe. Zu diesem Zeitpunkt sollen noch mehr als fünf Millionen Euro von Schweizer Beratern verwaltet und eventuell über eine Liechtensteiner Stiftung ausgezahlt worden sein.

Gefunden hat sie Insolvenzverwalter Jan Roth noch nicht. Zwar habe er Hinweise, aber "die Menschen, die beteiligt sind, reden nicht gern", sagte Roth der Nachrichtenagentur dpa. Außer dem Erlös aus dem Verkauf einer Villa in Bayern sei noch nichts in der Insolvenzmasse gelandet. Wie viel die Versteigerung des Anwesens im Berchtesgadener Land brachte, sagte Roth nicht.

Für Schuberts Witwe ist mit der Entscheidung des BGH der Fall nicht abgeschlossen: Gegen die 30-Jährige wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Zudem gibt es noch immer Zweifel, ob sie ihren Ehemann, wie sie vorgibt, bis zum Schluss fürsorglich gepflegt hat. Meharit Schubert selbst stellte ein Video ins Internet, das zeigt, wie sie ihren schwerkranken Mann umsorgt.

Dennoch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen unterlassener Hilfeleistung gegen sie, Schuberts Arzt und einen Anwalt. Die Leiche Schuberts wurde exhumiert, Gerichtsmediziner konnten Spuren starker Medikamente feststellen. Unklar ist, ob diese verordnet wurden - und wer sie verabreicht hat. Meharit Schubert hat die Vorwürfe stets bestritten. Ihre Rechtsanwälte waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.



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