Prozess wegen sexueller Nötigung Bill Cosby muss ins Gefängnis

Im Verfahren gegen Bill Cosby ist das Strafmaß verkündet worden. Der einst gefeierte TV-Star muss wegen sexueller Nötigung ins Gefängnis. Er will das Urteil anfechten - dennoch kommt der 81-Jährige zunächst hinter Gitter.

Bill Cosby
X90143

Bill Cosby


US-Entertainer Bill Cosby ist wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen zu drei bis zehn Jahren Haft verurteilt worden. Cosby muss zudem eine Geldstrafe von 25 000 Dollar (21 200 Euro) zahlen. Richter Steven O'Neill verkündete am Dienstag in Pennsylvania das Strafmaß für den 81-Jährigen.

Seine Anwälte wollen Berufung einlegen - dennoch muss der 81-jährige Entertainer zunächst hinter Gitter. Der Antrag, ihn bis zum Berufungsverfahren gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen, lehnte Richter O'Neill ab.

Der TV-Star zeigte nach der Urteilsverkündung keine Regung. Die Gelegenheit, sich abschließend zu äußern, nahm er nicht wahr. Familienmitglieder Cosbys waren wie schon am Vortag nicht mit im Saal.

60 Frauen werfen Cosby sexuellen Missbrauch vor

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor fünf bis zehn Jahre Gefängnis für Bill Cosby gefordert. Der 81-Jährige habe keinerlei Reue gezeigt, argumentierte Chefermittler Kevin Steele. Cosbys Verteidiger Joseph Green hatte darauf plädiert, dass der Entertainer seine Strafe im Hausarrest oder in einer Rehabilitations-Einrichtung absitzen dürfe. Er sei zu alt und gebrechlich für den Aufenthalt in einer Haftanstalt.

Fotostrecke

33  Bilder
Entertainer zu Gefängnisstrafe verurteilt: Der Fall Cosby

Etwa 60 Frauen werfen Cosby sexuellen Missbrauch vor, allerdings sind die meisten Fälle verjährt. In dem nun verhandelten Fall geht es um die Vorwürfe von Andrea Constand. Nach ihrer Aussage hatte Cosby sie im Januar 2004 in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht.

Im April hatte eine Jury Cosby wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen. Bis zur Verkündigung des Strafmaßes durfte der 81-Jährige seine Wohnung nur in Ausnahmefällen verlassen. Außerdem musste er eine elektronische GPS-Fußfessel tragen.

"Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall"

Bei der Anhörung zum Strafmaß in Norristown war es am Montag zunächst um die Frage gegangen, ob Cosby wie von der Staatsanwaltschaft gefordert auf die Liste der gewalttätigen Sexuelstraftäter im Bundesstaat Pennsylvania gesetzt werden soll. Cosbys Anwalt Joseph Green argumentierte, ein solcher Schritt wäre verfassungswidrig und würde seinem Mandanten die Möglichkeit nehmen, seine Enkel zu treffen.

"Endlich Gerechtigkeit"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Doch der Anwalt konnte es nicht verhindern: Cosby wird im öffentlichen Register für Sexualstraftäter, das alle 50 Bundesstaaten der USA führen, als "gewaltbereiter Sexualverbrecher" eingetragen. Auch nach seiner Haftstrafe oder einer Entlassung auf Bewährung muss er sich damit regelmäßig bei der Polizei melden und an Therapie-Sitzungen teilnehmen. Kindergärten, Schulen und Bewohner in Cosbys Nachbarschaft werden zudem mit Foto und Hinweisen über seine Straftaten vor ihm gewarnt. Diese Hinweise sind öffentlich im Internet einsehbar.

In seinem Urteilsspruch sagte der Richter Steven O'Neill: "Niemand steht über dem Gesetz und niemand sollte wegen seines Wohnorts, wegen seiner Identität oder wegen Wohlstand, Ruhm, Berühmtheit oder sogar Wohltätigkeit anders behandelt werden." "Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall." Die Auswirkungen auf Cosbys Leben seien ihm bewusst "und es tut mir leid", sagte der Richter.

bbr/ulz/kmy/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.