Prozess gegen TV-Altstar Cosby soll sich als "kranken Mann" bezeichnet haben

Im Prozess gegen Bill Cosby hat die Mutter seines mutmaßlichen Opfers ausgesagt. Gianna Constand zufolge gab der TV-Star in einem Telefonat sexuelle Übergriffe zu und bezichtigte sich als "krank".

Bill Cosby
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Bill Cosby


Bill Cosbys Anwälte haben es im Prozess gegen den Entertainer nicht geschafft, die Glaubwürdigkeit seines mutmaßlichen Opfers zu erschüttern. Auch in der Fortsetzung des stundenlangen Kreuzverhörs bot Andrea Constand für Cosbys Anwälte keine Angriffsfläche. Sie blieb bei ihrer Darstellung der Geschichte: Cosby habe ihr erst Wein gegeben und drei angebliche Kräuterpillen, um sie zu "beruhigen". Kurz darauf habe sie gelallt und doppelt gesehen, dann das Bewusstsein verloren.

Am ersten Tag ihrer Befragung hatte Constand gesagt: "Irgendwann schreckte ich auf, und ich spürte, wie Mr Cosbys Hand meine Brüste unter meiner Bluse begrapschte. Außerdem fühle ich seine Hand in meiner Vagina, sie bewegte sich rein und raus. Und ich merkte, wie er meine Hand nahm und sie an seinen Penis legte und sie hin- und herbewegte."

Bei der Fortsetzung des Kreuzverhörs wies Constand Unterstellungen der Verteidiger zurück, sie und der Entertainer hätten eine Beziehung gehabt. Die Anwälte des 79-Jährigen sagen, der sexuelle Kontakt zwischen Cosby und Constand sei einvernehmlich gewesen.

Mutmaßliches Cosby-Opfer: "Ich wollte, dass es aufhört"

Als einen Beleg dafür führen sie 53 Telefonate an, die Constand nach dem Abend mit Cosby führte. So oft rufe doch niemand seinen vermeintlichen Peiniger an. Constand erklärte die Telefonate mit ihrer damaligen Arbeit für das Frauen-Basketballteam an der Temple Universität. Cosby sei Mitglied des Uni-Kuratoriums gewesen, sie habe lediglich ihren Job gemacht und auf seine Nachrichten zu dem Basketballteam reagiert.

Als Constand nach insgesamt sieben Stunden den Zeugenstand verließ, wurde ihre Mutter aufgerufen. Sie bekräftigte das Bild, das ihre Tochter von Cosby gezeichnet hatte.

Gianna Constand sagte, Cosby habe bei einem Telefonat vor zwölf Jahren eingeräumt, dass er "ein kranker Mann" sei. Sie und ihre Tochter hätten etwa ein Jahr nach dem mutmaßlichen Übergriff Cosbys mehr als zwei Stunden mit dem Fernsehstar telefoniert. "Ich wünschte, ich hätte es aufgezeichnet", sagte Gianna Constand. In dem Gespräch habe Cosby eingeräumt, ihrer Tochter Andrea Tabletten gegeben und sie dann sexuell missbraucht zu haben. "Er wollte mir aber zu verstehen geben, dass es einvernehmlich war."

"Er gab zu, dass er ein kranker Mann ist"

Cosby habe versucht, sie zu "manipulieren" und habe angeboten, eine Therapie ihrer Tochter zu bezahlen. "Ich wurde sehr aggressiv, ich war sehr unfreundlich, ich wollte wissen, was er ihr verabreicht hat", sagte Constand. Ihre Tochter habe in Cosby "einen Vater gesehen". "Er hat sie betrogen."

Das Einzige, was sie von Cosby verlangt habe, sei eine Entschuldigung gewesen, sagte Constand weiter. "Ich entschuldige mich bei Andrea, und ich entschuldige mich bei dir, Mami", habe Cosby gesagt. "Er gab zu, dass er ein kranker Mann ist."

Nach ihrer Aussage brach Gianna Constand in Tränen aus und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Zuvor hatte bereits ihre Tochter ausgesagt. Sie wurde fast fünf Stunden lang befragt.

Cosby wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sich in früheren Jahrzehnten an ihnen vergangen zu haben. Da die meisten Anschuldigungen aber verjährt sind, ist der Strafprozess zu Constands Anschuldigungen der einzige, der den Schauspieler ins Gefängnis bringen könnte. Ihm drohen bei einem Schuldspruch bis zu 30 Jahre Haft sowie eine hohe Geldstrafe.

ulz/AP/AFP

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