Keine öffentliche Nennung der Täter Bistum Limburg legt Maßnahmenkatalog gegen Missbrauch vor

46 Fälle sexuellen Missbrauchs wurden am Bistum Limburg dokumentiert - und nun 60 Ideen präsentiert, um dies künftig zu verhindern. Eine Betroffene kritisiert jedoch weiterhin den Umgang mit den Opfern.
Der Dom von Limburg

Der Dom von Limburg

Foto: Arne Dedert/ picture alliance/dpa

Eine Fachstelle für sexualisierte Gewalt und eine Ombudsstelle für Betroffene zählen zu den Vorschlägen, wie künftig im Bistum Limburg sexuelle Übergriffe und Missbrauch verhindert werden sollen. Mehr als 60 Maßnahmen schlagen Wissenschaftler, Kirchenvertreter und Betroffenen vor, die fast ein Jahr den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum analysierten. Die Ergebnisse des Projekts "Betroffene hören - Missbrauch verhindern " wurden nun in der Frankfurter Paulskirche an Bischof Georg Bätzing und Ingeborg Schillai, Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, übergeben. Diese gaben ein Exemplar des Abschlussprojektes an Martin Schmitz als Vertreter der Missbrauchsopfer weiter.

Scharfe Kritik kam von einer weiteren Betroffenen, Lisa Scharnagl, die von einem nur wenige Jahre zurückliegenden schweren sexuellen Übergriff an einer katholischen Schule im Bistum Limburg berichtete. Es mache sie wütend, wie groß die Diskrepanz sei zwischen der  "wirklich tollen Idee" des Projektes und dem tatsächlichen Umgang mit aktuell Betroffenen. Keineswegs habe sich irgendwas geändert: "Hört auf zu glauben, dass das, worüber wir hier reden, in der Vergangenheit liegt", rief sie den Teilnehmern der Veranstaltung zu. Gelobt werden dürfe das Projekt erst dann, wenn es sichtbare Ergebnisse gebraucht habe, forderte sie.

Bätzing kündigte die Berufung einer Unabhängigen Diözesanen Kommission an, die die Umsetzung der Maßnahmen begleiten soll. "Wir alle wissen, dass ein gutes Stück Arbeit auf uns zukommt und dass die Wege schmerzlich sein werden", sagte Bätzing, der auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist. Schillai sprach von einem "Beginn der Ehrlichkeit", nannte aber auch die Grenzen des Projekts: "Es wird nicht alles gut durch ein solches Projekt." Es mache keinen Missbrauch ungeschehen. Die Veranstaltung in der Paulskirche endete mit dem Versprechen von Bischof Georg Bätzing: "Wir werden die Maßnahmen umsetzen." 

Öffentliche Nennung der Täter nicht möglich

Die aus der Sicht vieler von Missbrauch betroffener Menschen gewünschte öffentliche Nennung der Täter und Vertuscher könne es aus juristischen Gründen nicht geben, sagte der Jurist Josef Bill zur Aufklärung von 46 erfassten Missbrauchsfällen. Die Klarnamen der Kleriker könnten nur dem Bischof als Auftraggeber des Projekts genannt werden.

Der Missbrauchsskandal hat wie wohl kein anderes Thema die Glaubwürdigkeit der Kirche als Institution gerade bei vielen Gläubigen erschüttert. Als Konsequenz beschloss die Bischofskonferenz im vergangenen Jahr den "Synodalen Weg", einen Reformprozess, der sich mit Machtmissbrauch, der Rolle von Frauen in der Kirche, der Aufarbeitung des Missbrauchskandals und der Sexualmoral der Kirche befasst.

caw/dpa