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23. September 2014, 16:49 Uhr

Neuer BKA-Chef Münch

Der Überraschungssieger

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Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden BKA-Präsidenten Jörg Ziercke hat sich der Bremer Staatsrat Holger Münch durchgesetzt. Selbst sonst gut informierte Beamte sind perplex. Wer ist Deutschlands künftiger Chef-Detektiv?

Berlin/Bremen - Das Bundesinnenministerium in Berlin ist ein Hort vieler Geheimnisse. Tagtäglich laufen hochsensible Informationen ein, oft geht es um nicht weniger als die Sicherheit des Landes. Verschwiegenheit ist ein hohes Gut.

Was jedoch die Nachfolge an der Spitze des Bundeskriminalamts (BKA) anbelangt, haben sich die Spitzenbeamten von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in den vergangenen Monaten selbst übertroffen. Kaum ein Wort drang nach außen aus den Beratungen, wer den demnächst aus Altersgründen ausscheidenden Präsidenten Jörg Ziercke, 67, beerben könnte. Und selbst das Wenige, das halböffentlich wurde, erwies sich am Ende als falsch: Der Sieger des Rennens ist ein Kriminalist, mit dem kaum jemand gerechnet hat.

Der Bremer Staatsrat für Inneres Holger Münch, 53, wird die Behörde mit den Standorten Wiesbaden, Meckenheim und Berlin von Dezember an leiten. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Mittag einen entsprechenden Bericht von Radio Bremen. "Ich bin wirklich perplex", kommentiert ein für gewöhnlich gut informierter Beamter die Personalie.

Dass der Landesbeamte Münch den BKA-Chef Ziercke als ersten Detektiv Deutschlands ersetzen wird, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zuletzt waren mit dem Chef der Bundespolizei und dem Präsidenten des Verfassungsschutzes einflussreiche Positionen in der bundesdeutschen Sicherheitsarchitektur mit Herren aus dem Berliner Innenministerium besetzt worden. Doch den Ausschlag gab in Zeiten der Großen Koalition am Ende womöglich die parteipolitische Orientierung des Bremers: Münch - obschon parteilos - gilt als SPD-Mann, auch wenn er ähnlich wie der Genosse Ziercke in seiner Arbeit wenig Ideologie erkennen lässt.

Der neue Chef-Detektiv steht auf Power-Point

In Bremen hat sich Münch einen Ruf als durchsetzungsstarker Macher erworben. In dem chronisch klammen Stadtstaat boxte er eine unpopuläre Polizeireform durch. Seine Kritiker sagen, Münch sei stets mehr Manager denn Ermittler gewesen und habe auf Kosten der inneren Sicherheit an Personal gespart. Andere Beamte preisen seine kriminalistische Expertise. Berüchtigt ist jedenfalls Münchs Faible für Power-Point-Präsentationen.

In seine Zeit als Ober-Ordnungshüter der Hansestadt fallen die engagierten Bemühungen der Polizei, dem Treiben einer kurdisch-arabischen Großfamilie und der ausufernden Rockerkriminalität Herr zu werden. Zuvor leitete Münch das Bremer Landeskriminalamt. Von 1987 bis 1991 arbeitete Münch beim BKA im rheinischen Meckenheim, wo er dem Vernehmen nach auch als Personenschützer des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher eingesetzt wurde.

Das Ziel des neuen BKA-Präsidenten wird sein, das Amt als Top-Ermittlungsbehörde zu präsentieren. Cyberkriminalität, die Möglichkeit terroristischer Anschläge über das Internet, global operierende Verbrechersyndikate - das Portfolio der Bundeskriminalpolizei nimmt an Umfang zu, der Etat aber ist eng.

In Zierckes Amtszeit fielen die Nachwirkungen des 11. September und die Entdeckung des "Nationalsozialistischen Untergrunds". In beiden Komplexen spielte das Thema Vorratsdaten eine wichtige Rolle. Der scheidende BKA-Präsident wurde daher nicht müde, deren grundsätzliche Bedeutung für die Ermittlungsarbeit zu betonen. Auch Münch wird sich in dieser hochpolitischen Debatte kaum anders positionieren können. Dass Telekommunikationsfirmen verpflichtet werden, Daten ihrer Kunden über einen gewissen Zeitraum vorzuhalten, müsste für ihn als Kriminalisten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Doch die Aufgeregtheiten und Absurditäten des Berliner Politikbetriebes könnten auch dem neuen BKA-Chef zusetzen. Zuletzt war in der Edathy-Affäre erkennbar geworden, wie dünnhäutig selbst ein ansonsten ziemlicher gelassener Hanseat wie Jörg Ziercke im Innenausschuss werden kann. "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass auch auf den besten Präsidenten ungeahnte Herausforderungen warten", so der Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter im BKA, Andy Neumann.

Seine Heimatstadt Bremen wird BKA-Präsident Münch künftig also allenfalls an den Wochenenden besuchen können - wenn überhaupt.

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