Razzia in elf Bundesländern BKA warnt vor Verbreitung kinderpornografischer Videos unter Jugendlichen

Man wolle "einer Bagatellisierung dieser Straftaten entgegenwirken": BKA und Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung zeigen sich besorgt über die Verbreitung kinderpornografischer Videos unter Jugendlichen.

Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung für schwere und organisierte Kriminalität beim BKA: Mehr Präventionsarbeit
Andreas Arnold/DPA

Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung für schwere und organisierte Kriminalität beim BKA: Mehr Präventionsarbeit


Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor dem leichtfertigen Verbreiten von kinderpornografischen Dateien unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. "Wir müssen hier massiv einer Bagatellisierung dieser Straftaten entgegenwirken", sagte die Leiterin der BKA-Abteilung für schwere und organisierte Kriminalität, Sabine Vogt.

Demnach stellten die Sicherheitsbehörden seit zweieinhalb Jahren fest, dass Kinder und junge Heranwachsende vermehrt eindeutig kinderpornografische Inhalte über soziale Netzwerke teilen und weiterleiten. "Wir gehen davon aus, dass dieses Material entweder weitergeleitet wird, weil man unreflektiert damit umgeht oder weil man es aus Neugier heraus tut", sagte Vogt.

Bei der Vernehmung hätten sich die Tatverdächtigen oft verwundert gezeigt. Sie seien sich nicht bewusst gewesen, dass ein strafbares Handeln vorliege, so Vogt. Dem solle nun mit mehr Präventionsarbeit entgegengewirkt werden.

Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass die Sicherheitsbehörden wegen des Verdachts der Weiterleitung von Bildern und Videos, die teils schwere sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen, in elf Bundesländern Wohnungen von Tatverdächtigen durchsucht hatten. Die 21 Verdächtigen im Alter zwischen 14 und 26 Jahren sollen diese Art von Videos über soziale Netzwerke verbreitet haben.

Pflichtfach "Medienkompetenz" an Schulen gefordert

"Im Zuge dieser Durchsuchungen konnten wir zahlreiche Beweismittel insbesondere Smartphones, Tablets, Computer und Datenträger sicherstellen", sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Christian Hartwig. Eines der weiterverbreiteten Videos zeige die Vergewaltigung eines Kindes durch zwei Jugendliche in einem Steinbruch mutmaßlich in Afghanistan.

Je vier der 21 Verdächtigen leben nach Angaben der Ermittler in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Je zwei Tatverdächtige stammen aus Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen und je einer aus Rheinland-Pfalz, Bayern, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, plädiert vor dem Hintergrund der Ermittlungen für die Einführung eines Pflichtfachs "Medienkompetenz" an Schulen. Alternativ solle "querschnittlich in allen relevanten Fächern vermittelt werden, dass grundlegende Werte wie Menschlichkeit und Respekt auch in der digitalen Welt gelten".

Rörig wies darauf hin, dass vielen Kindern und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen über soziale Netzwerke verbreiteten, womöglich nicht ausreichend bewusst sei, dass hinter den Fotos oder Videos der reale Missbrauch eines Kindes stehe. Die Bandbreite sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche habe im Internet enorme Ausmaße angenommen. "Dass hier in verstärktem Maße auch Kinder und Jugendliche aktiv werden, zeugt von mangelnder Reflektionsfähigkeit der Minderjährigen und macht deutlich, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit digitalen Medien offensichtlich nur ungenügend vermittelt wird."

wit/dpa



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