Blutbad in Bratislava 50-Jähriger erschießt sieben Menschen

Ein schwer bewaffneter Mann hat in der slowakischen Hauptstadt Bratislava mindestens sieben Menschen getötet und weitere verletzt. Als die Polizei anrückte, richtete sich der Amokläufer selbst.

Bratislava: Polizeibeamte und Sicherheitskräfte bei den Ermittlungen am Tatort
AP

Bratislava: Polizeibeamte und Sicherheitskräfte bei den Ermittlungen am Tatort


Bratislava/Wien - Kurz nach zehn Uhr habe ein schwer Bewaffneter im Stadtteil Devinska Nova Ves im Nordwesten der slowakischen Hauptstadt das Feuer eröffnet, berichtete eine Sprecherin der örtlichen Rettungskräfte.

Der etwa 50 Jahre alte Mann habe mit einer Maschinenpistole und zwei Gewehren zunächst in einem Mietshaus und dann auf dem Weg nach draußen auf mehrere Menschen geschossen, erklärte ein Polizeisprecher auf einer Pressekonferenz in Bratislava. Sieben Menschen starben, 14 weitere wurden verletzt. Als die Polizei anrückte, richtete sich der Amokläufer selbst.

Zunächst war die Rede von sechs Opfern gewesen. Am Abend dann entdeckten die Behörden die Leiche einer 52-jährigen Frau, die offenbar durch ihr Wohnungsfenster erschossen wurde. Die Toten - vier Frauen und zwei Männer - gehören wahrscheinlich zu einer Familie, sagte der slowakische Polizeipräsident Jaroslav Spisiak am Montagnachmittag. Laut Angaben des tschechischen Fernsehens sind sie Roma. Der Täter selbst sei nicht mit den Opfern verwandt.

Der slowakische Innenminister Daniel Lipsic wollte sich dazu nicht weiter äußern: "Ich will nicht über rassistische Hintergründe spekulieren", sagte er. Die Beweggründe für die Tat des 50-Jährigen seien noch unbekannt.

In der Slowakei hat es mehrfach Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Mehrheitsbevölkerung gegeben. In dem 5,4-Millionen-Staat leben rund 430.000 Roma. Im benachbarten Ungarn wurden in den vergangenen Jahren bei offenbar rassistisch motivierten Taten mehrere Roma getötet.

Laut Lipsic sind noch neun Menschen im Krankenhaus, ein Verletzter schwebte am Montagnachmittag in Lebensgefahr. Auch ein Polizist wurde am Kopf getroffen, sein Zustand sei aber stabil. "Unsere Gebete sind mit den Opfern und ihren Familien", sagte der Politiker.

Über die Zahl der Verletzten gab es zunächst unterschiedliche Angaben: Die Rettungskräfte sprachen von zwanzig Verletzten, darunter ein dreijähriges Kind. Später hieß es, mindestens neun Menschen seien verwundet, dann erhöhte sich die Zahl auf 14.

Laut Augenzeugenberichten ereignete sich die Schießerei auf der belebten Straße Pavla Horova in der Nähe eines Supermarkts. Eine Erzieherin aus einem nahegelegenen Kindergarten sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie habe einen älteren Mann mit einer Automatikwaffe gesehen. Als ein verletzter Roma aus einem Haus gestürzt sei, habe der Amokläufer "noch zwei oder drei Mal" auf den bereits am Boden liegenden Mann geschossen, sagte Marta Vozbranukova.

Ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften hatte sich kurz nach dem Amoklauf am Tatort eingefunden. Die Anwohner wurden per Lautsprecher aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und die Fenster zu meiden.

ala/dpa/apn/AFP



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