Bluttat auf Jersey Verdächtiger noch Tage vernehmungsunfähig

Sechs Menschen starben, darunter drei Kinder: Ein 30-Jähriger gilt als verdächtig, seine Familie und Freunde auf der britischen Kanalinsel Jersey getötet zu haben. Der Mann soll anschließend selbst auf sich eingestochen haben. Seine Verletzungen machen eine Vernehmung derzeit unmöglich.


Hamburg - Der Mann, der auf der britischen Kanalinsel Jersey sechs Menschen getötet haben soll, hatte starke Beruhigungsmittel im Blut. Schwer verletzt wurde er am Montag in einem Krankenhaus notoperiert. Über die Hintergründe der Tat ist bisher wenig bekannt - und daran dürfte sich auch nichts ändern, solange der 30-Jährige nicht vernommen werden kann.

Bis es soweit ist, könnten Tage vergehen, gab die Polizei am Dienstag bekannt. Auch die Ermittlungen der Spezialisten würden sich wohl noch lange hinziehen.

Nach ersten Erkenntnissen spielte sich das Drama folgendermaßen ab: Der mutmaßliche Täter, wie alle seine Opfer ein Pole, tötet seinen Stiefvater, seine Frau, die beiden Kinder. Auch eine Freundin der Frau und deren Tochter sterben. So berichtet es mehrere britische Medien übereinstimmend, darunter der "Guardian". Vier Leichen wurden in einem Apartment gefunden, zwei auf der Straße. Vermutlich kamen alle Opfer durch Stichwunden ums Leben.

Augenzeugen schilderten, wie der 30-Jährige eine Frau mit einem Küchenmesser in der Hand jagte und mehrmals auf sie einstach. Nachbar Bryan Ogesa sagte, er habe einen Absperrhütchen ergriffen und sich dem Täter entgegengestellt. Der habe schließlich mit dem Messer auf sich selbst eingestochen.

Zu den Familienverhältnissen gibt es widersprüchliche Aussagen: Es wurden Freunde zitiert, die sagten, die Familie habe perfekt gewirkt. Andere hingegen sagten, es habe Streit gegeben, die Ehe sei zerbrochen.

Am Sonntag hatte in Jerseys Hauptstadt Saint Helier ein polnisches Fest stattgefunden. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche in Jersey, Nicholas France, sagte dem Sender BBC, in den vergangenen Jahren seien rund 4000 Polen nach Jersey gekommen. Es gebe eine lebendige Gemeinde mit einem eigenen polnischen Priester. Am Montagabend versammelten sich Dutzende Trauernde zu einem Gottesdienst, der auf polnisch abgehalten wurde.

Jersey ist die größte Insel im Ärmelkanal und liegt rund 14 Kilometer vor der Küste Nordfrankreichs. Die Insel hat rund 90.000 Einwohner, ein Drittel von ihnen lebt in Saint Helier - dort geschah auch die Bluttat.

hut/dpa/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Koltschak 16.08.2011
1. Was soll man dazu schreiben?
Die Tat ist unrecht! Vielleicht war Alkohol im Spiel. Hut ab vor dem Mann mit dem Absperrhütchen, wahrscheinlich hat er schlimmeres verhütet! P.S.: Was soll man zu diesem Fall schreiben?
mm01 16.08.2011
2. Nichts..
Zitat von KoltschakDie Tat ist unrecht! Vielleicht war Alkohol im Spiel. Hut ab vor dem Mann mit dem Absperrhütchen, wahrscheinlich hat er schlimmeres verhütet! P.S.: Was soll man zu diesem Fall schreiben?
außer, dass die beiden polnischen Familien (lt. engl. Presse) schon etwas länger im Streit lagen. Evtl. war da wirklich Alkohol im Spiel. Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich auch nie erfahren. Mein Mitleid gilt den Hinterbliebenen.
Time-witness 17.08.2011
3. Funkstille
Die Sprecherin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, hat nach den Ereignissen in Norwegen eine Verschärfung des Waffenrechts gefordert Hier starben sechs Menschen, darunter drei Kinder und vom Aktionsbündnis Winnenden ist nichts zu hören. Die Tatwaffe war ja auch nur ein Messer und keine Schusswaffe wie in Norwegen. Damit lässt sich diese Tat vom Aktionsbündnis auch nicht zur medialen Hetze gegen Legalwaffenbesitzer ausnutzen.
Promethium 18.08.2011
4. @Time-witness
Zitat von Time-witnessDie Sprecherin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, hat nach den Ereignissen in Norwegen eine Verschärfung des Waffenrechts gefordert Hier starben sechs Menschen, darunter drei Kinder und vom Aktionsbündnis Winnenden ist nichts zu hören. Die Tatwaffe war ja auch nur ein Messer und keine Schusswaffe wie in Norwegen. Damit lässt sich diese Tat vom Aktionsbündnis auch nicht zur medialen Hetze gegen Legalwaffenbesitzer ausnutzen.
Das Waffenrecht ist längst über das vernünftige Maß hinaus verschärft worden. Vor allem bringen diese Verschärfungen schon längst nichts mehr. Zumindest nicht in einem Land in dem man so leicht an illegale Waffen kommt. Hier ein neuer Beweis wie einfach das ist. "Volker H. besorgt schließlich einen Revolver Kal. 357 und sechs Schuss Munition, ..." http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,780837,00.html
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