Bluttat von Würzburg Ermittler suchen nach Motiv für tödlichen Angriff

Noch ist völlig unklar, warum in der Würzburger Innenstadt mehrere Menschen getötet wurden. Offenbar griff der mutmaßliche Täter vor allem Frauen an. Er war polizeibekannt – allerdings nicht für politische Straftaten.
Einsatz in Würzburg

Einsatz in Würzburg

Foto: NEWS5/ BAUERNFEIND / EPA

Es gibt diese Aufnahmen im Netz, gefilmt mit einer Handykamera, verwackelt und hektisch. In dem Clip ist zu sehen, wie ein hagerer Mann, barfuß, mit anderen kämpft. In seinen Händen hält er ein langes Messer, eine Atemschutzmaske verdeckt sein Gesicht, im Hintergrund kreischt eine Frau. Aus Polizeikreisen heißt es, das Video zeige das Geschehen aus der Würzburger Innenstadt von Freitagnachmittag.

Es war gegen 17 Uhr, als Notrufe die Würzburger Polizei alarmierten. Ein Mann hatte zuvor in und vor einem Kaufhaus an dem zentral gelegenen Barbarossaplatz mehrere Menschen attackiert. Nach Polizeiangaben starben drei Personen, zahlreiche weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Ein anderes Video zeigt, wie eine wütende Menge den mutmaßlichen Täter auf offener Straße in Schach hält. Männer werfen Gegenstände nach ihm, jagen ihn in eine Gasse. Einer schwingt einen Besenstiel.

Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CSU) twittert später: »Ein großer Dank und Respekt für das beherzte Eingreifen vieler Bürger, die sich dem mutmaßlichen Angreifer entschlossen entgegenstellten.« Dann braust mit Blaulicht und Martinshorn ein Streifenwagen heran. Nach Angaben der Polizei schießen die Beamten auf den bewaffneten Täter und treffen ihn am Bein. Er schwebt nach offiziellen Angaben nicht in Lebensgefahr.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Später teilt die Polizei mit, dass es sich bei dem Täter um einen 24-Jährigen handele, der aus Somalia stamme und seit 2015 in Würzburg lebe. Nach SPIEGEL-Informationen heißt er Abdirahman J. A. und ist der Polizei in der Vergangenheit wiederholt aufgefallen, allerdings nicht wegen politisch motivierter Straftaten. Zuletzt war er in einer Obdachlosenunterkunft gemeldet. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurde der Mann auch schon gewalttätig.

Ob der Amoklauf einen extremistischen Hintergrund hat, ist noch unklar. »Es gibt jedenfalls Indizien dafür, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte«, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Bislang führen allerdings die örtliche Staatsanwaltschaft und Polizei die Ermittlungen. Sie suchen nach einem Motiv für die Gewalttat. Dazu wurde noch am Abend die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Der für Terrorismus zuständige Generalbundesanwalt hat den Fall bislang nicht übernommen. Nach offiziellen Angaben befand sich der Mann seit Kurzem in psychiatrischer Behandlung. Er soll auch zwangsweise untergebracht worden sein.

Die Opfer des Angreifers seien »wohl überwiegend Frauen« gewesen, »ganz unterschiedlichen Lebensalters«, sagte Innenminister Herrmann. Auch ein kleiner Junge sei verletzt worden. Mittäter scheint es nicht zu geben. Laut Herrmann will ein Zeuge gehört haben, dass der Täter »Allahu Akbar« gerufen habe.

Der Ausruf ist ein zentraler im Islam und bedeutet so viel wie »Gott ist größer«. Er muss nicht zwangsläufig Ausdruck einer radikalen Gesinnung sein, wird aber auch von Islamisten und Terroristen verwendet – etwa von dem Palästinenser Ahmad A., der im Sommer 2017 in Hamburg wahllos auf Menschen einstach und einen tötete.

Es ist nicht ganz fünf Jahre her, dass Würzburg schon einmal eine willkürlich erscheinende Attacke erschütterte. Damals griff der afghanische Geflüchtete Riaz A. in einer Regionalbahn Reisende mit einem Messer und einer Axt an und verletzte seine Opfer schwer. Anschließend floh er zu Fuß und attackierte eine Spaziergängerin. Schließlich erschossen Polizisten den 17-Jährigen. Später reklamierte die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) die Tat für sich. Es war der erste IS-Terroranschlag in Deutschland.

jdl/rol/srö
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.