Falsche Atteste und Volksverhetzung »Querdenken«-Wortführer Bodo Schiffmann angeklagt

Der HNO-Arzt Bodo Schiffmann soll Maskenverweigerern falsche Atteste ausgestellt und wiederholt den Holocaust verharmlost haben. Nun soll er sich vor Gericht verantworten – ebenso wie seine Frau.
Bodo Schiffmann (August 2020): Atteste ohne Untersuchung?

Bodo Schiffmann (August 2020): Atteste ohne Untersuchung?

Foto: Markus Scholz / DPA

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat einer Mitteilung  zufolge Anklage gegen ein ehemals in Sinsheim niedergelassenes Ärztepaar erhoben. Laut mehreren Medien, darunter SWR  und »Rhein-Neckar-Zeitung« , handelt es sich dabei um den »Querdenken«-Wortführer Bodo Schiffmann und seine Frau Mechthild.

Dem Ehepaar wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, inhaltlich falsche ärztliche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht in der Coronapandemie ausgestellt zu haben. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt soll zudem den Holocaust verharmlost und zu »unfriedlichen Aktionen« gegen die Regierung und die Justiz der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen haben.

Das Paar sei bereits Ende Januar angeklagt worden, so die Staatsanwaltschaft. Das sei öffentlich erst jetzt mitgeteilt worden, weil die Angeschuldigten von der Anklage erst hätten Kenntnis nehmen müssen.

Dem Arzt soll nun vor dem Landgericht Heidelberg wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse in zehn Fällen sowie Volksverhetzung in zwei Fällen der Prozess gemacht werden. Bei seiner Frau lautet der Vorwurf auf Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse in siebzehn Fällen.

Attest ohne Untersuchung?

Ermittlungen hätten gezeigt, dass das Ehepaar zwischen der ersten Jahreshälfte 2020 und Mitte 2021 Personen aus ganz Deutschland, die die Maskenpflicht ablehnten, mit bewusst unrichtigen Attesten versorgt habe. Diese sollten den Angaben zufolge belegen, dass die Personen aus angeblichen medizinischen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen könnten. Personen, denen Atteste ausgestellt worden seien, hätten bis zu 700 Kilometer entfernt von der Arztpraxis in Sinsheim gewohnt, heißt es. Sie seien nicht persönlich untersucht worden.

Der Vorwurf der Volksverhetzung ergebe sich aus Internetvideos, so die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe Ärzte, die Coronaimpfstoffe verabreichten, mit Josef Mengele verglichen. Als KZ-Arzt im Vernichtungslager Auschwitz war Mengele im Nationalsozialismus mitverantwortlich für den Massenmord an Hunderttausenden Juden.

Der Angeklagte habe zudem die Maßnahme der Corona-Quarantäne mit einer Inhaftierung in einem Konzentrationslager der Nazis verglichen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Er habe zum Widerstand aufgerufen, die Verantwortlichen der Coronamaßnahmen sollten »zur Rechenschaft« gezogen werden.

Bodo Schiffmanns Anwalt sagte laut »t-online« , von den Vorwürfen gegen seinen Mandanten werde wenig übrig bleiben. Die Patienten seien vor Ausstellung der Atteste begutachtet worden. Das Ehepaar sei in ärztlicher Einschätzung dazu gekommen, dass diese Patienten aus medizinischen Gründen keine Maske tragen sollten.

Schiffmann ist ein Wortführer der »Querdenken«-Bewegung, die Verschwörungserzählungen verbreitet und vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Seine Videos verbreitet der Mediziner etwa über YouTube, wo er mit seiner Praxis, der »Schwindelambulanz Sinsheim«, einen Kanal mit mehr als 140.000 Abonnenten betreibt.

Die Große Strafkammer des Landgerichts Heidelberg habe nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden, teilt die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit.

ptz