Kippa vom Kopf geschlagen Angeklagter zeigt Reue für antisemitische Attacke

Ein 21-Jähriger soll den jüdischen Philosophie-Professor Jitzchak Jochanan Melamed im Sommer 2018 attackiert haben. Vor Gericht sagte der Angeklagte nun, er schäme sich für die Tat.

Angeklagter im Amtsgericht Bonn
Christoph Driessen/ DPA

Angeklagter im Amtsgericht Bonn


Ein wegen eines antisemitischen Übergriffs angeklagter Mann hat die Tat eingeräumt. "Ich schäme mich sehr dafür", sagte der 21-Jährige vor dem Bonner Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln vor, im Juli 2018 den in den USA lehrenden Philosophie-Professor Jitzchak Jochanan Melamed beschimpft, ihm mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen und ihn schließlich geboxt und getreten zu haben.

Es tue ihm leid, und wenn er könnte, würde er die Tat ungeschehen machen, sagte der Mann. Nach dem Angriff hatte er bei der Polizei ausgesagt, er sei "völlig stoned" gewesen. Der drogenabhängige Mann ist mehrfach vorbestraft. Vor Gericht muss er sich unter anderem wegen Körperverletzung und Volksverhetzung aus antisemitischer Motivation verantworten.

Opfer kritisiert Verhalten der Polizei

Der Vorfall hatte auch deshalb viel Aufsehen erregt, weil herbeigerufene Polizeibeamte Melamed irrtümlich für den Angreifer gehalten und überwältigt hatten. Einer der Beamten schlug ihm dabei ins Gesicht. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und die Bonner Polizeipräsidentin entschuldigten sich später für die Vorkommnisse. Eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass der Polizei kein Fehlverhalten nachzuweisen sei.

Melamed war bei der jetzigen Gerichtsverhandlung nicht anwesend, ließ von einem Anwalt jedoch eine Erklärung verlesen. Darin protestierte er massiv gegen das Verhalten der Polizei: Was ihm "von einer Gang von vier Bonner Polizisten" angetan worden sei, halte er für viel schlimmer als den Angriff des Angeklagten.

jki/dpa



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