Kippa vom Kopf geschlagen Angreifer wegen antisemitischer Attacke verurteilt

In Bonn beleidigte und attackierte ein 21-Jähriger einen jüdischen Philosophie-Professor im vergangenen Jahr. Nun wurde der Mann verurteilt, vor Gericht hatte er sich zuvor reuig gezeigt.

Angeklagter im Amtsgericht Bonn
Christoph Driessen/ DPA

Angeklagter im Amtsgericht Bonn


Im Prozess um einen Angriff auf einen jüdischen Professor in Bonn ist der Angeklagte wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Das Gericht verurteilte den 21-Jährigen zu einer Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren - darin enthalten ist unter anderem eine frühere Verurteilung wegen eines Raubüberfalls in Höhe von drei Jahren und neun Monaten, die er bereits absitzt.

Der Deutsche mit palästinensischen Wurzeln hatte gestanden, dem Professor Jitzchak Jochanan Melamed aus den USA im Juli 2018 im Bonner Hofgarten mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen zu haben. "Sie haben ein Symbol des jüdischen Glaubens vom Kopf geschlagen", sagte die Vorsitzende Richterin. Dies sei geeignet, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre gefordert, die Verteidigung nicht mehr als vier.

Der 21-Jährige hatte vor Gericht Reue gezeigt. "Ich schäme mich sehr dafür", sagte er. Wenn er könnte, würde er die Tat ungeschehen machen. Nach dem Angriff hatte er bei der Polizei ausgesagt, er sei "völlig stoned" gewesen.

Der Vorfall hatte auch deshalb viel Aufsehen erregt, weil herbeigerufene Polizeibeamte Melamed irrtümlich für den Angreifer gehalten und überwältigt hatten. Einer der Beamten schlug ihm dabei ins Gesicht. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und die Bonner Polizeipräsidentin entschuldigten sich später für die Vorkommnisse. Eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass der Polizei kein Fehlverhalten nachzuweisen sei.

Melamed war bei der jetzigen Gerichtsverhandlung nicht anwesend, ließ von einem Anwalt jedoch eine Erklärung verlesen. Darin protestierte er massiv gegen das Verhalten der Polizei: Was ihm "von einer Gang von vier Bonner Polizisten" angetan worden sei, halte er für viel schlimmer als den Angriff des Angeklagten.

mxw/dpa



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