SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. August 2019, 16:11 Uhr

Tödlicher Schuss auf Polizeikollegen

"Ich weiß überhaupt nicht, wie das passieren konnte"

Ein junger Polizist soll in Bonn versehentlich einen Kollegen erschossen haben. Vor Gericht räumte der 23-Jährige nun Schuld ein - er schilderte das Geschehen aber anders als die Anklage.

Weil er einem Kollegen versehentlich in den Hals geschossen haben soll, muss ein Polizist sich vor dem Landgericht in Bonn wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der 23-jährige Angeklagte gestand die Tat am ersten Verhandlungstag - nur soll sie nicht so abgelaufen sein, wie die Anklage es annimmt.

Die beiden Bereitschaftspolizisten hatten am 26. November 2018 auf dem Gelände der Bundespolizei in Sankt Augustin das Verhalten bei einem Amoklauf trainiert. Dabei verwendeten sie sogenannte Rotwaffen, also rote Waffenattrappen. Zurück im Bonner Polizeipräsidium war ein Schießtraining im Keller mit scharfen Waffen geplant. Die Beamten zogen sich in der Umkleide um und holten ihre echten "Schwarzwaffen" aus den Spinden.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Angeklagte mit seiner Waffe einen Schuss auf seinen Kollegen abgegeben haben - und zwar "in der Annahme, dass er noch eine Rotwaffe in der Hand hielt, und obwohl er in der Ausbildung gelernt hatte, dass Rotwaffen wie Schwarzwaffen zu behandeln sind". Obwohl die Waffen sich farblich unterscheiden, hätte der 23-Jährige sie verwechselt.

"Und dann fiel auch schon dieser Schuss"

Der Angeklagte brach am ersten Prozesstag immer wieder in Tränen aus. Er räumte den Schuss ein, betonte aber, dass er nicht absichtlich auf seinen Kollegen geschossen habe. Sein Mandant habe die Waffen nicht verwechselt, sagte sein Verteidiger. Vielmehr habe er die Dienstwaffe in den Holster gesteckt und dann noch mal herausgenommen, weil er dachte, sie sei nicht richtig eingerastet.

Als er die Waffe "durch Angucken kontrollierte", habe ein Geräusch ihn aufgeschreckt, dabei habe er versehentlich den Abzug betätigt. Er vermutete demnach eine zufallende Tür. Die Kugel traf seinen Kollegen am Hals. Dieser wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er später starb.

"Es wäre mir nie eingefallen, aus Spaß auf jemanden zu schießen", sagte der Angeklagte. Es sei ihm immer wichtig gewesen, ordentlich mit Waffen umzugehen. Er habe sich erschreckt "und dann fiel auch schon dieser Schuss", sagte er 23-Jährige. "Ich weiß überhaupt nicht, wie das passieren konnte."

muk/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung