Kinder aus dem Fenster geworfen Syrischer Flüchtling zu langer Haftstrafe verurteilt

Ein Syrer warf seine drei Kinder aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft - weil er sauer war auf seine Frau, wie nun ein Gericht in Bonn geurteilt hat. Der 35-Jährige soll für viele Jahre ins Gefängnis.

Angeklagter Vater (im September)
DPA

Angeklagter Vater (im September)


Wegen dreifachen Mordversuchs und Körperverletzung an seinen eigenen Kindern hat das Landgericht Bonn einen syrischen Flüchtling zu 15 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine drei Kinder aus den Fenstern einer Flüchtlingsunterkunft warf.

Zu der Tat kam es demnach, weil der 35-Jährige sich über seine Frau geärgert hatte. Laut Staatsanwaltschaft war er nicht damit einverstanden, dass seine Ehefrau in Deutschland nicht mehr das aus ihrer Heimat gewohnte Rollenbild akzeptieren und sich nicht mehr alles von ihm gefallen lassen wollte.

Der Staatsanwalt hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert, die Verteidigung auf eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe plädiert. Die beiden Töchter des Mannes im Alter von einem und sieben Jahren sowie sein fünfjähriger Sohn hatten die Tat am 1. Februar überlebt, aber teils schwere Verletzungen erlitten. Für eine Tochter bestand zwischenzeitlich Lebensgefahr.

Beim Prozessauftakt im September war der Angeklagte in Tränen ausgebrochen. Seinem Mandaten tue die Tat furchtbar leid, sagte dessen Anwalt Martin Kretschmer. Es stimme, dass es "weltanschauliche Streitigkeiten" zwischen den Eheleuten gegeben habe. Staatsanwalt Florian Geßler hatte dem Familienvater vorgeworfen, seine Kinder aus dem Fenster geworfen zu haben, um seine Frau zu bestrafen. Die habe sich in Deutschland nicht mehr alles von ihm gefallen lassen wollen.

Den Kinder geht es gut - körperlich jedenfalls

Tatort war am 1. Februar eine Flüchtlingsunterkunft in Lohmar bei Bonn. Die älteste Tochter wurde durch den Sturz aus dem Küchenfenster im ersten Stock lebensgefährlich verletzt. Das sieben Jahre alte Mädchen erlitt unter anderem einen Schädelbruch und Hirnblutungen.

Der fünfjährige Sohn, der durch das Badezimmerfenster geworfen wurde, brach sich mehrfach den Arm und zog sich eine Schädeldachfraktur zu. Die jüngste Tochter - erst ein Jahr alt - hatte Glück, weil sie auf ihrem Bruder aufkam. Sie erlitt leichtere Verletzungen.

Der heute 35 Jahre alte Angeklagte hatte Syrien 2014 verlassen, seine Familie kam später nach. Über die Türkei und Bulgarien ging es zunächst nach Frankreich und 2015 nach Deutschland.

Die Kinder haben sich von dem Sturz körperlich einigermaßen erholt - das Gericht rechnet jedoch damit, dass der Fall die drei seelisch noch länger belasten wird.

mxw/AFP/dpa



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