Boris Becker vor Gericht wegen Insolvenz 28 Mal "Nicht schuldig"

Trophäen, Immobilien, Geld: Boris Becker steht im Verdacht, Vermögenswerte in seinem Insolvenzverfahren verschwiegen zu haben. Vor Gericht bestreitet der Ex-Tennisprofi alle 28 Anklagepunkte.
Boris Becker in London: Dem Ex-Tennisprofi drohen bis zu sieben Jahre Haft

Boris Becker in London: Dem Ex-Tennisprofi drohen bis zu sieben Jahre Haft

Foto: Dave Rushen / imago images/ZUMA Wire

28 Mal sagt Boris Becker dieselben Worte an diesem Tag im Southwark Crown Court in London: "Nicht schuldig." Bei jedem einzelnen der Anklagepunkte, die ihm die britische Insolvenzbehörde vorwirft aufs Neue.

Konten, Immobilien, Trophäen - es ist eine unübersichtliche Aufzählung an hohen Summen und Besitztümern, die der frühere Tennisprofi im Insolvenzverfahren unterschlagen haben soll. "Dieser Fall handelt davon, dass große Mengen an Geld versteckt wurden", sagte die zuständige Juristin. Dem 52-Jährigen drohen bei einer Verurteilung bis zu sieben Jahre Haft (lesen Sie hier mehr über die Hintergründe).

Unter anderem wird Becker vorgeworfen, Pokale und Medaillen aus seiner Tenniskarriere vor dem Insolvenzverwalter verborgen zu haben. Darunter die Trophäe für seinen historischen ersten Wimbledon-Sieg 1985.

Zudem soll er Immobilien und Bankguthaben verschwiegen und darüber hinaus große Summen unter anderem auf Konten seiner früheren Lebensgefährtinnen Barbara und Lilly Becker überwiesen haben.

Eine Million Pfund

Die mutmaßlich verschwiegenen Bankguthaben sollen sich auf gut eine Million Pfund belaufen, umgerechnet 1,1 Millionen Euro. Dies alles wirft ihm die Anwältin der Insolvenzbehörde vor.

Becker war 2017 von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Eigentlich können Insolvenzverfahren in England bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden.

Nicht jedoch im Fall Becker: Seine Auflagen wurden zuletzt bereits um zwölf Jahre verlängert - auch damals schon wegen unvollständiger Angaben.

Kartons voller Bankbelege

Die Behörde trug Kartons voller Bankbelege und Beweisakten zusammen - eine plausible Erklärung für die Ungereimtheiten präsentierte Becker nicht. Beckers Anwalt Jonathan Caplan sagte, sein Mandant sei "entschlossen" die Anklage "anzufechten" und seinen Ruf wiederherzustellen.

Der dreimalige Wimbledon-Sieger und sechsfache Grand-Slam-Champion bleibt auf freiem Fuß - allerdings nicht unkontrolliert. Wenn er reisen will, was er für seine Kommentatoren-Jobs häufig tut, muss Becker das zwei Tage zuvor bei der Insolvenzbehörde anmelden. Sein Reisepass ist bei den Anwälten hinterlegt.

Einen Antrag, diese Auflagen zu lockern, lehnte das Gericht ab. Es gebe ein gewisses Risiko, dass Becker sich sonst ins Ausland absetzen könnte und man die Kontrolle über ihn verlieren würde.

jpz/dpa/AFP/AP
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