Prozess gegen Ex-Mafiaboss Zweimal lebenslänglich für James "Whitey" Bulger

James "Whitey" Bulger gilt als einer der berüchtigsten Gangsterbosse der US-Geschichte. Wegen elffachen Mordes wurde er bereits schuldig gesprochen. Nun hat ein Gericht in Boston das Strafmaß verkündet: zweimal lebenslänglich plus fünf Jahre.

Zeichnung aus dem Gerichtssaal in Boston: Zweimal lebenslänglich für James "Whitey" Bulger
AP

Zeichnung aus dem Gerichtssaal in Boston: Zweimal lebenslänglich für James "Whitey" Bulger


Boston - Das Gericht folgte exakt den Forderungen der Staatsanwaltschaft: James "Whitey" Bulger ist zu einer Haftstrafe von zweimal lebenslänglich plus fünf Jahren verurteilt worden. Der 84-Jährige hat nach Ansicht des Gerichts elf Menschen ermordet. Im August wurde er schuldig gesprochen.

Als Wiedergutmachung muss muss Bulger 19,5 Millionen Dollar an die Hinterbliebenen zahlen. Zudem erhielt er eine Geldstrafe von 25,2 Millionen Dollar. Laut "Boston Globe" dürften diese Summen größtenteils symbolisch sein, da die Fahnder bislang bei weitem nicht die Menge an Geld gefunden haben, die Bulger versteckt haben soll.

"Der Umfang und die Gefühllosigkeit Ihrer Verbrechen sind beinahe unergründlich", sagte Bezirksrichterin Denise Casper bei der Verkündung des Strafmaßes. "Ihre Verbrechen sind umso abscheulicher, weil es immer um Geld gegangen ist."

Die Staatsanwälte bezeichneten den 84-Jährigen als einen der gewalttätigsten und verachtenswertesten Kriminellen in der Geschichte von Boston. Laut Anklage agierten Bulger und seine Bande als "Richter, Jury und gelegentlich als Henker". Sie hätten als "das Gesetz in der Unterwelt" gehandelt.

In den siebziger und achtziger Jahren soll Bulger als Kopf der "Winter Hill Gang", der irischen Mafia in Boston und Neu-England, unter anderem 19 Morde in Auftrag gegeben oder gleich selbst verübt haben. Auch wurde ihm Erpressung, Drogenhandel, Geldwäsche, Raub und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Nach 16 Jahren auf der Flucht war Bulger im Juni 2011 in Kalifornien festgenommen worden. Dort lebte er unter falschem Namen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin. Die Polizei beschlagnahmte in der Wohnung etwa 800.000 Dollar in bar und ein Arsenal an Waffen. Die Lebensgefährtin wurde 2012 zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie Bulgers Flucht gedeckt hatte.

Im Prozess gegen Bulger wurden 63 Zeugen gehört. Einige berichteten von grausigen Praktiken der Mafia-Bande: So seien getöteten Opfern die Zähne herausgebrochen worden, um ihre Identifizierung zu erschweren. Drei Hauptzeugen aus Bulgers Umfeld hatten gegen ihn ausgesagt. Die Verteidigung warf den Behörden vor, die Zeugenaussagen "gekauft" zu haben.

wit/Reuters

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