Prozessauftakt Amokfahrer bestreitet rassistische Motive

In der Silvesternacht steuerte ein Mann im Ruhrgebiet mit seinem Auto gezielt auf Menschen zu, die er für Migranten hielt. Vor Gericht hat sich der psychisch Kranke nun über seine Motive geäußert.

Der Angeklagte zu Prozessbeginn vor dem Essener Schwurgericht
Oliver Berg/dpa

Der Angeklagte zu Prozessbeginn vor dem Essener Schwurgericht


Es waren schreckliche Bilder aus Bottrop und Essen, die am 1. Januar in den Nachrichten gezeigt wurden: In der Silvesternacht 2018 war ein Mann im Ruhrgebiet mit seinem Wagen gezielt auf Menschen zugesteuert, die er für Migranten hielt. Nach seiner Festnahme soll der offenbar psychisch kranke Mann über Ausländer und Asylbewerber hergezogen sein und auch diesen Satz gesagt haben: "Ich habe aufgeräumt - und elektronisch gefegt."

An diese Aussagen wollte er sich im Prozessauftakt allerdings nicht mehr erinnern können. "Das war wie ein Sog - wie bei einem Staubsauger", sagte der 50-Jährige am Freitag vor dem Essener Schwurgericht. "Alles was rechts und links war, habe ich gar nicht mehr wahrgenommen."

Sein Verteidiger Andreas Renschler hatte schon vor Prozessbeginn erklärt: "Für ihn ist alles wie hinter einem Schleier." Sein Mandant sei "ein geknickter Mensch".

Seit Jahren leidet der arbeitslose Fensterputzer schon unter paranoider Schizophrenie. Seine Medikamente will er aber immer genommen haben. "Deshalb verstehe ich auch gar nicht, wie es dazu kommen konnte", sagte der Mann den Richtern. Bestreiten wolle er aber nichts. Auch wenn er sich nicht an alles erinnern könne.

"Er wollte die Personen offensichtlich bewusst überfahren", so die Staatsanwaltschaft. "Die Motive seiner Taten begründen sich offenbar in der augenscheinlichen Fremdenfeindlichkeit des Beschuldigten". Doch der 50-Jährige wiegelte vor Gericht sofort ab. "Ich habe selbst ausländische Freunde. Ich bin eigentlich nicht so."

Der Berliner Platz in Bottrop kurz nach dem Anschlag.
DPA

Der Berliner Platz in Bottrop kurz nach dem Anschlag.

"In ihm ist kein rechtes Gedankengut", sagte sein Verteidiger am Rande des Prozesses. "Das waren nur markige Sprüche, auf die sich Polizisten damals gestürzt haben." Sein Mandant sei in seinem Wahn offenbar davon ausgegangen, dass die Menschen, die er vor sich gesehen habe, gleich einen Anschlag verüben würden. "Das wollte er verhindern." Tatsächlich sei der Angeklagte einfach nur ein sehr kranker Mensch.

Im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "Der Westen" ließ der Verteidiger am Ergebnis des Prozesses keine Zweifel: "Es ist klar, dass am Ende eine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet wird."

Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der arbeitslose Fensterputzer schuldunfähig ist. Daher droht ihm die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

one/dpa



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