Gepanschte Krebsmedikamente Bottroper Ex-Apotheker erhält Approbation nicht zurück

Weil er Krebsmedikamente streckte, wurde Peter S. zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Zudem verlor der Apotheker seine Approbation – zu Recht, wie nun ein Verwaltungsgericht entschieden hat.
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Foto: Federico Gambarini / dpa

Der wegen gepanschter Krebsmedikamente zu zwölf Jahren Haft verurteilte Ex-Apotheker Peter S. aus Bottrop erhält seine Approbation nicht zurück – und wird seinen Beruf wohl nie wieder ausüben dürfen. Das hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Donnerstag in Abwesenheit des Klägers entschieden, der derzeit im Gefängnis sitzt.

Die 18. Kammer wies die Klage des Mannes gegen den Widerruf seiner Approbation vom Dezember 2020 zurück. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Kläger kann einen Antrag auf Berufung am Oberverwaltungsgericht stellen.

Das Verwaltungsgericht stützte sich in großen Teilen auf die Gründe, die auch zur strafrechtlichen Verurteilung des Klägers geführt hatten.

Im Strafverfahren hatte das Landgericht Essen den Bottroper 2018 aufgrund jahrelanger Versorgung Krebskranker mit unterdosierten Arzneimitteln unter anderem wegen Betrugs und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz in mehr als 15.000 Fällen zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe und einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt. Das Urteil wurde später vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigt. Eine Verfassungsbeschwerde gegen das Strafgerichtsurteil ist noch anhängig.

Das Verwaltungsgericht sah es nun als erwiesen an, dass der jetzt 52-Jährige sich eines Verhaltens schuldig gemacht habe, das auf seine »Unzuverlässigkeit« und »Unwürdigkeit«, den besonders verantwortungsvollen Beruf des Apothekers auszuüben, schließen lasse.

Er sei »ungeeignet, diesen Beruf auszuüben«, betonte der Vorsitzende Richter. Dabei bezog sich das Gericht auch auf die Bundes-Apothekerordnung, in der auch die besondere Verantwortung des Berufsstands hervorgehoben wird.

Die Bezirksregierung Münster hatte S. die Zulassung als Apotheker zunächst vorläufig, später dann endgültig entzogen.

13,6 Millionen Euro Schaden

Gegen Peter S. läuft seit März 2019 zudem ein Insolvenzverfahren am Amtsgericht Essen. Laut »WAZ« arbeitet der Insolvenzverwalter daran, ein zweistelliges Millionenvermögen zu sichern. Die zunächst vom Landgericht auf 17 Millionen Euro bezifferte Schadenssumme hatte der BGH im Revisionsverfahren auf 13,6 Millionen Euro reduziert.

Kürzlich wurde die Villa des Ex-Apothekers verkauft. Das ehemals rund elf Millionen Euro teure Haus, das neben zahlreichen Extras auch eine Rutsche vom oberen Stockwerk ins Schwimmbad darunter bietet, war von einem Düsseldorfer Makler für 5,7 Millionen Euro angeboten worden.

wit/jpz/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.