Tödlicher Brand in Polen Besitzer von "Escape Room" muss in U-Haft

Nach dem Tod von fünf Jugendlichen in einem polnischen "Escape Room" hat die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft für den Besitzer angeordnet. Im Land wurden kurzfristig 26 der etwa 1100 Spielräume geschlossen.

Der Verdächtige im Amtsgericht von Koszalin, Polen
MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Der Verdächtige im Amtsgericht von Koszalin, Polen


Ein Gericht hat nach dem tödlichen Brandunglück in einem "Escape Room" in Polen Untersuchungshaft für den Besitzer des Betriebs angeordnet. Der Mann bleibe vorerst drei Monate in Arrest, sagte Staatsanwalt Ryszard Gasiorowski nach der nichtöffentlichen Sitzung am Amtsgericht der nordpolnischen Stadt Koszalin. Der "Escape Room"-Besitzer muss sich nach dem Tod von fünf 15-jährigen Jugendlichen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft.

Bei dem Brand waren am Freitag fünf in einem Raum eingeschlossene Jugendliche ums Leben gekommen. Sie werden am Donnerstag beerdigt.

Bei dem Brand wurde auch ein Mitarbeiter des "Escape Rooms" verletzt. Der Mann wurde am Montag weiter mit Verbrennungen im Krankenhaus behandelt. Die Flammen hätten den Jugendlichen den Fluchtweg abgeschnitten, gab er gegenüber der Staatsanwaltschaft an. Auch er konnte aufgrund des Feuers die Eingeschlossenen nicht befreien. Als er dies mit Entsetzen feststellte, sei er auf die Straße gerannt, um Hilfe zu holen, hieß es.

Bei "Escape Room"-Spielen versucht eine Gruppe, aus einem abgeschlossenen Raum zu entkommen. Sie muss dafür unter Zeitdruck bestimmte Aufgaben lösen. Die Spiele haben sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern zu einem Trend entwickelt.

Video: Fünf Jugendliche in Polen gestorben

MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war in einem Vorraum Gas aus einem Behälter entwichen und hatte sich entzündet. Es wurden mehrere Gasheizgeräte sichergestellt. Polnische Behörden lassen seit Samstag die Brandschutzmaßnahmen in allen etwa 1100 "Escape Rooms" im Land kontrollieren. Wegen Sicherheitsmängeln wurden bereits 26 Betriebe geschlossen. Auch dem "Escape Room"-Besitzer in Koszalin werfen Ermittler grobe Sicherheitsverstöße vor.

Der 28-jährige Mann sei nach den Ereignissen traumatisiert, berichteten polnische Medien. Er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus, zu den Vorwürfen wollte er sich vor Gericht zunächst nicht äußern. Grund sei seine schlechte psychische Verfassung, wie sein Verteidiger dem Sender TVN24 sagte. Er stehe kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Viele Menschen des etwa 100.000-Einwohner-Orts Koszalin sind von der Tragödie erschüttert. Viele von ihnen legten am Unglücksort Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die Mitschüler der Jugendlichen werden nach Angaben der Schule psychologisch betreut.

sth/dpa



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