Brandanschläge in Berlin Elf Autos gehen in einer Stunde in Flammen auf

Bis Anfang August wurden in Berlin in diesem Jahr 80 Anschläge auf Autos verübt - nun brannten elf Fahrzeuge innerhalb von einer Stunde. Die Polizei setzt bei der Aufklärung auf die Hilfe der Bürger, Politiker machen die Anschläge zum Wahlkampfthema.

Ausgebrannter Mercedes in Charlottenburg: Der Staatsschutz ermittelt
DPA

Ausgebrannter Mercedes in Charlottenburg: Der Staatsschutz ermittelt


Berlin - In der Nacht zum Dienstag sind im Berliner Stadtteil Charlottenburg innerhalb von nur einer Stunde elf Fahrzeuge angezündet worden. Die Brände begannen laut Polizei kurz nach Mitternacht. Beinahe im Minutentakt gingen vorrangig Wagen von Luxusmarken im Ortsteil Westend in Flammen auf. Zudem wurden weitere sieben Autos, ein Motorroller und ein Fahrrad von den Flammen beschädigt.

Die Feuerwehr löschte die Brände. Verletzt wurde niemand. Ob die Taten politisch motiviert sind, ist noch unklar. Da dies aber nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Die Brandanschläge werden zunehmend Thema im Berliner Wahlkampf. Der CDU-Fraktionschef Frank Henkel sagte, der Vandalismus habe "unerträgliche Ausmaße" angenommen und sich zu einem "Flächenbrand" entwickelt. Er frage sich, wie lange der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) diesen "dramatischen Sittenverfall noch hinnehmen wollen".

Polizeigewerkschaft setzt auf Mitwirkung der Bürger

Die Gewalt werde nicht aufhören, wenn man die Hände in den Schoß lege und das Problem wegschweige, sagte Henkel. "Unsere Forderung nach Einrichtung einer Sonderkommission wird seit Jahren abgeblockt." Der Kampf gegen die Brandanschläge auf Autos müsse endlich "politische Priorität" erhalten.

"Wir Grüne verurteilen diese Anschläge auf Autos scharf", sagte Fraktionschef Volker Ratzmann. Der Innensenator müsse den Berlinern sagen, was er zu tun gedenke, damit die Polizei schnell für Aufklärung sorgen könne.

Angesichts der Anschlagsserie fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft höhere Belohnungen für Hinweise auf Täter. Weil die Brände stets in Sekundenschnelle gelegt würden, könnten Polizisten die Brandstifter ohne Mithilfe der Bevölkerung nicht fassen, sagte der Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf dem Radiosender 104.6 RTL. "Wir müssen den Bürger an der Ecke haben, der hinsieht und sofort die Polizei alarmiert."

Bereits in der vergangenen Woche waren mehr als ein Dutzend Fahrzeuge auf Berliner Straßen durch Feuer zerstört oder beschädigt worden. Bis Anfang August hatten die Behörden seit Jahresbeginn 80 Anschläge mit politischem Hintergrund auf Autos in Berlin registriert.

bim/dapd/dpa



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