Flüchtlingsheim in Bautzen Dachdecker soll Brandschäden mit Nazi-Parole gefeiert haben

"Kameraden, Sieg Heil. Gute Arbeit geleistet." In einem Video soll ein Handwerker die Brandschäden in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen kommentiert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ausgebrannter Dachstuhl der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen (Archiv)
DPA

Ausgebrannter Dachstuhl der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen (Archiv)


Als die Feuerwehr eintraf, stand der Dachstuhl schon in Flammen: Im Februar 2016 wurde das frühere Hotel "Husarenhof", das künftig als Flüchtlingsunterkunft dienen sollte, bei einem Brandanschlag in Bautzen schwer beschädigt. Die sächsische Stadt geriet bundesweit in Verruf - auch weil Schaulustige während des Brands offen ihre Freude zeigten und das Feuer mit abfälligen Bemerkungen über Flüchtlinge kommentierten. Zwei junge Männer gerieten dabei mit Polizeibeamten aneinander und wurden deshalb im November zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Nun, fast ein Jahr nach dem Brand, beschäftigt ein weiterer unrühmlicher Vorfall im Zusammenhang mit dem Anschlag die Justiz: Der MDR veröffentlichte ein Video, das ein Handwerker kurz nach dem Feuer mit seinem Handy in dem Gebäude aufgenommen haben soll. Darin filmt der Mann die Brandschäden im Dachstuhl, zu sehen sind völlig verkohlten Balken, durch das Dach rieselt Schnee hinein. Eine Stimme, offenbar der Filmende, sagt: "Kameraden, Sieg Heil. Gute Arbeit geleistet."

Der Geschäftsführer einer Dachdeckerfirma bestätigte dem MDR, dass die Aufnahme von einem Mitarbeiter stammt. Der Mann sei bereits entlassen worden.

Auch die Staatsanwaltschaft Görlitz beschäftigt sich mit dem Fall. Ein Sprecher der Behörde sagte, man ermittle wegen des Handyvideos gegen einen 34-jährigen Tatverdächtigen. Es gehe um einen möglichen Verstoß gegen Paragraph 86a des Strafgesetzbuchs, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das Verfahren laufe seit Ende 2016, einen genauen Termin wollte der Sprecher nicht nennen. Die Ermittlungen müssten nun zeigen, ob der Mann das Video verbotenerweise verbreitet habe.

In welchem Maß und auf welchem Weg der Film in Umlauf geriet, ist unklar. Laut MDR wurde das Video dem Sender zugespielt.

Bautzen war wegen fremdenfeindlicher Übergriffe im vergangenen Jahr wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Im Herbst gerieten jugendliche Flüchtlinge und Rechtsextreme am Bautzener Kornmarkt aneinander, es gab Berichte von Hetzjagden. Im Dezember flogen Brandsätze auf eine Flüchtlingsunterkunft, drei Männer wurden wegen der Tat festgenommen.

Wer vor einem Jahr den "Husarenhof" in Brand setzte, ist noch immer ungeklärt.

hut/sms



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