Brasilien Dutzende Tote bei Gefängnisrevolte

Es ist die dritte Gefängnisrevolte binnen Tagen: In Brasilien haben Häftlinge Dutzende Mitgefangene getötet. Möglicherweise handelt es sich um einen gezielten Racheakt.


Mindestens 33 Häftlinge sind bei einer Gefängnisrevolte in Brasilien umgekommen. Das teilten die Justizbehörden des nordbrasilianischen Bundesstaates Roraima mit, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete. Der Aufstand sei am frühen Freitag in der Haftanstalt Monte Cristo bei Boa Vista ausgebrochen.

Bei den Auseinandersetzungen habe es sich nicht um eine Meuterei gehandelt, sondern um einen schnellen Angriff einer Gruppe von Häftlingen auf eine andere Gruppe, erklärte eine Behördensprecherin. Die Kämpfe hätten nicht einmal eine Stunde gedauert, die meisten Opfer wurden demnach mit Messern getötet.

Erst am Montag waren im benachbarten Bundesstaat Amazonia 56 Insassen in einer Haftanstalt in Manaus in einem Streit zwischen rivalisierenden Banden getötet worden. Als Reaktion darauf wurden anschließend knapp 130 Häftlinge mit Verbindungen zu einer der beteiligten Banden in eine andere Anstalt verlegt.

Einige Häftlinge wurden enthauptet

Die Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Behörden die Kontrolle über die ländlich gelegene Haftanlage inzwischen wiedergewonnen. Die Täter seien Mitglieder der kriminellen Bande "Erstes Kommando der Hauptstadt" (PCC), erklärte der Sicherheitssekretär von Roraima, Uziel Castro. Die Leichen der Opfer seien teilweise enthauptet und zerstückelt worden.

Bei der Revolte am Montag in Manaus gehörten viele der Opfer der PCC an. Die Behörden von Amazonia hatten nach dem Aufstand in Manaus die Regierung von Roraima über eine Ausbreitung des brutal geführten Bandenkrieges gewarnt.

Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl an Gefängnisinsassen. Nach Angaben des Instituts IPCR leben derzeit mehr als 620.000 Häftlinge in Haftanstalten mit einer Gesamtkapazität für 372.000 Menschen.

mxw/dpa/AFP



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