Brasilien Modenschau im Hochsicherheitsknast

Sie häkeln, dafür wird ihre Strafe verkürzt: Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses in São Paulo können an einem Modeprojekt teilnehmen. Nun wurden ihre Entwürfe von professionellen Models präsentiert.

Miguel SCHINCARIOL/ AFP

Häftlinge in Brasilien haben eine eigene Modekollektion gehäkelt - als Teil eines Rehabilitationsprogramms. Die Kleidung wurde nun bei einer Modenschau in einem Hochsicherheitsgefängnis in São Paulo präsentiert. Die meisten Insassen dort sitzen wegen Drogenhandels ein.

Aufwendige Oberteile, verspielte Röcke, dazu Akzente aus Jeansstoff - die Entwürfe der Gefängnisinsassen sind bunt und abwechslungsreich. Bei der Modenschau im Adriano-Marrey-Gefängnis wurden sie von Models vorgeführt, die sonst bei der São Paulo Fashion Week über den Laufsteg schreiten. Im Publikum: die Schöpfer der Kleidungsstücke, viele von ihnen mit Wolle und Häkelnadel in der Hand.

"Ich war stolz, dass meine Kreation der Öffentlichkeit präsentiert wird und noch stolzer, dass sie Leuten gefällt", sagte der 41-jährige Fidelison Borges. Er sitzt eine 18-jährige Haftstrafe wegen bewaffneten Raubs und Drogenhandels ab.

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São Paulo: Häkeln im Hochsicherheitsgefängnis

70 Prozent der Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses haben nicht einmal die Grundschule abgeschlossen. Das Häkelprojekt von Designer Gustavo Silvestre ist Teil eines Rehabilitationsprogramms, das ihnen neue Fähigkeiten vermitteln und ihr Selbstbewusstsein stärken soll. Für jeweils zwölf Stunden Beteiligung an dem Projekt werden sie einen Tag früher aus der Haft entlassen.

Häkeln beruhige ihn, sagte der 28-jährige Felipe Santos da Silva, der wegen Raubes zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. "Es hat mir geholfen, mit dem Rauchen und den Drogen aufzuhören."

Der gleichaltrige Islan da Luz, verurteilt wegen Drogenhandels, arbeitet derzeit an zwei Häkelröcken - einem hellblauen für seine Frau und einem pinkfarbenen für seine Mutter. Es gebe zwar Menschen, die Häkeln für eine Frauensache hielten, doch er gehöre nicht dazu, sagte da Luz: "Menschen, die so denken, sind ignorant, voreingenommen und in der Minderheit."

Modedesigner Silvestre berichtete von Erfolgen des Häkelprojekts über die Gefängniszeit hinaus: Ein früherer Teilnehmer des Programms habe nach seiner Freilassung einige selbstgehäkelte Kleidungsstücke verkauft, um von dem Geld seinen Führerschein zu machen und Taxifahrer zu werden. "Er wird mit dem Häkeln nicht weitermachen, aber es hilft ihm auf seinem Weg", sagte Silvestre.

wit/AFP



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