Gewalt in Brasilien Polizei in Rio de Janeiro tötet so viele Menschen wie nie zuvor

Behörden melden einen Anstieg von 17,9 Prozent: Nie zuvor sind im Bundesstaat Rio de Janeiro so viele Menschen durch Polizeigewalt gestorben wie in diesem Jahr. Der neue Gouverneur ist ein Unterstützer Jair Bolsonaros.

Brasilianische Sicherheitskräfte in Rio de Janeiro (Archivbild)
AFP

Brasilianische Sicherheitskräfte in Rio de Janeiro (Archivbild)


Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro haben Polizisten im ersten Quartal des Jahres mehr Menschen getötet als jemals zuvor. Nach Behördenangaben starben dort von Januar bis März täglich fünf Menschen durch die Polizei. Der Anstieg folgt unmittelbar auf den Amtsantritt des neuen Gouverneurs, eines Unterstützers des rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro.

434 Tote durch "Polizeiinterventionen" - das ist nach Angaben des brasilianischen Instituts für Öffentliche Sicherheit ein Anstieg um 17,9 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres. Seit dem Beginn der Aufzeichnungen über Tötungen bei Polizeieinsätzen im Jahr 1998 lag die Quartalszahl noch nie so hoch.

Gleichzeitig sank die Zahl der Tötungsdelikte im Bundesstaat Rio de Janeiro deutlich: Sie lag statt bei 1868 nun bei 1528 Fällen - das sind allerdings immer noch 17 Tote pro Tag.

Justizminister will Polizisten weiter schützen

Der Anstieg bei den durch Polizisten Getöteten fällt zusammen mit dem Amtsantritt von Gouverneur Wilson Witzel. Sein Wahlerfolg lag vor allem an Witzels Unterstützung für die harte Linie von Präsident Bolsonaro bei der Verbrechensbekämpfung. In einem Interview hatte Witzel im März gesagt, dass die Polizei inzwischen Scharfschützen einsetze, um Verdächtige aus großer Entfernung zu erschießen. "Wenn jemand ein Sturmgewehr trägt, muss er sofort auf tödliche Art neutralisiert werden", hatte Witzel der Zeitung "O Globo" gesagt.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro
REUTERS

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro

Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen prangern die steigende Zahl außergerichtlicher "Hinrichtungen" in Brasilien an und weisen darauf hin, dass Polizisten in solchen Fällen nur selten mit Strafverfolgung rechnen müssen.

Justizminister Sergio Moro hat angekündigt, die Zahl der Fälle, in denen Schüsse von Polizisten als Selbstverteidigung gelten, auszuweiten. So sollen künftig auch "Angst, Überraschung oder extreme Gefühle" als Begründung ausreichen.

bam/AFP



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