Brasilien Rechte Aktivistin hetzt nach Abtreibung gegen Zehnjährige

Sie veröffentlichten ihren Namen und die Adresse des Krankenhauses, in dem sie behandelt wurde: In Brasilien ist ein zehnjähriges Mädchen nach einer Abtreibung zur Zielscheibe für Anfeindungen geworden.
Der Streit um Abtreibungen spaltet Brasilien seit Jahren - hier protestieren Frauen gegen ein Verbot im Jahr 2017

Der Streit um Abtreibungen spaltet Brasilien seit Jahren - hier protestieren Frauen gegen ein Verbot im Jahr 2017

Foto: Cris Faga / NurPhoto / Getty Images

Die legale Abtreibung bei einem zehnjährigen Mädchen, das von ihrem Onkel vergewaltigt worden ist, hat in Brasilien eine heftige Kontroverse ausgelöst. Wie verschiedene brasilianische Medien berichteten, forderte die Justiz des Bundesstaates Espírito Santo soziale Netzwerke dazu auf, Veröffentlichungen mit Informationen über das Mädchen zu löschen.

Nach brasilianischem Gesetz ist der Schwangerschaftsabbruch nach einer Vergewaltigung und bei Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt. Derartige Fälle werden für gewöhnlich unter Stillschweigen behandelt. Die Daten des Mädchens, das vergewaltigt wurde, gelangten jedoch einem Bericht der Nachrichtenplattform "Pernambuco"  zufolge an die Öffentlichkeit. Gegen den Onkel wurde demnach Haftbefehl angeordnet, er sei auf der Flucht.

Frauen- und Familienministerin Damares Alves bedauerte auf Facebook  die Entscheidung der Justiz, dem Mädchen das Recht auf den Schwangerschaftsabbruch zuzugestehen. Die Ministerin hielt den Eingriff für gefährlich.

Eine rechte Aktivistin veröffentlichte sogar den Namen des Mädchens sowie des Krankenhauses. Das Mädchen musste in ein Spezialkrankenhaus gebracht werden, nachdem eine Klinik in Espírito Santo den Eingriff abgelehnt hatte. Vor dem Krankenhaus hatten sich Abtreibungsgegner und konservative Politiker versammelt, die den zuständigen Arzt als "Mörder" bezeichneten.

Dem brasilianischen Jahrbuch für öffentliche Sicherheit zufolge werden stündlich vier brasilianische Mädchen unter 13 Jahren vergewaltigt. Die meisten Täter sind demnach Verwandte. Im Jahr 2018 waren der Statistik zufolge 66.000 Fälle von Vergewaltigung registriert, dabei waren in mehr als der Hälfte der Fälle Mädchen unter 13 Jahren betroffen.

lmd/dpa
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