Nach U-Haft in Brasilien Ehemann tot aufgefunden – tatverdächtiger Diplomat zurück in Deutschland

Er wird für den Tod seines Ehemanns verantwortlich gemacht: Ein hochrangiger deutscher Konsularbeamter ist nach SPIEGEL-Informationen zurück in seiner Heimat. Nun ermittelt das Berliner LKA.
In diesem Haus in Rio de Janeiro lebte der deutsche Diplomat mit seinem Mann (Foto vom 6. August 2022)

In diesem Haus in Rio de Janeiro lebte der deutsche Diplomat mit seinem Mann (Foto vom 6. August 2022)

Foto: Andre Borges / AFP

Der deutsche Diplomat, der Anfang August in Brasilien wegen eines Tötungsdelikts festgenommen worden war, ist nach Deutschland zurückgekehrt. Nach SPIEGEL-Informationen landete der 60-Jährige am Montagmorgen mit einer Linienmaschine in Frankfurt am Main.

Der Mann war nach mehrwöchiger Untersuchungshaft überraschend freigekommen, weil die Staatsanwaltschaft die nötigen Unterlagen für eine Anklage gegen den Deutschen nicht vorgelegt hatte. Nach seiner Freilassung fuhr der Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes offenbar direkt zum Flughafen und bestieg einen Lufthansa-Jet nach Frankfurt, da gegen ihn keine Ausreisebeschränkung verhängt worden war.

Der 60-Jährige war wegen des Verdachts festgenommen worden, seinen belgischen Ehemann am 5. August umgebracht zu haben. Der Diplomat selbst hatte angegeben, sein Mann sei nach einem Streit unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss vom Balkon der gemeinsamen Wohnung gestürzt.

Die Polizei indes bezweifelte die Version, da man in der Wohnung Blutspuren gefunden habe, die auf einen Kampf hinwiesen. Ein Gerichtsmediziner stellte später diverse Verletzungen an der Leiche fest und nimmt an, das Opfer sei durch stumpfe Gewalteinwirkung getötet worden.

Wie der Fall nun weitergeht, ist unklar. In Deutschland soll die vierte Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin die Ermittlungen übernehmen. Die Fahnder sollen nun über die Justiz ein Rechtshilfeersuchen an Brasilien stellen, um die Rechercheergebnisse der dortigen Polizei zu bekommen.

Hochrangiger Diplomat

Der Tatverdächtige war Kanzler am Generalkonsulat in Brasilien und damit einer der höchstrangigen Diplomaten an der Landesvertretung. Er sollte in den kommenden Monaten auf einen neuen Posten in Haiti versetzt werden. Dies, so jedenfalls sagte er bei der Polizei aus, habe für einen heftigen Streit mit seinem Ehemann gesorgt.

Das Auswärtige Amt wollte zur Rückkehr des Mitarbeiters nach Deutschland nichts Konkretes sagen. Man habe in den letzten Wochen mit den lokalen Behörden Kontakt gehabt und erfahren, dass der Deutsche aus der Haft entlassen worden sei, sagte ein Sprecher. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes könne er jedoch keine weiteren Angaben machen.

In Brasilien und in Deutschland hatte der Fall für Schlagzeilen gesorgt, auch weil die lokalen Ermittlungsbehörden große Teile der Ermittlungen öffentlich machten, darunter Bilder aus der Wohnung der beiden Männer. Selbst Teile des Vernehmungsvideos des Diplomaten wurden in den sozialen Medien veröffentlicht.

mgb/jpz
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